Norbert Leser, dessen Werke wegen ihrer kritischen Auseinandersetzung mit der österreichischen Sozialdemokratie stets große Aufmerksamkeit erregen, lässt in seinem neuen Buch 120 Jahre sozialdemokratische Partei Revue passieren. Geboren 1933, hat Leser viele politische Entwicklungen selbst hautnah erlebt und der Partei immer wieder wesentliche Impulse gegeben. Packend erzählt er von seiner engen Freundschaft mit Julius Deutsch, von der Ära Pittermann und dem Fall Olah, von seiner Beziehung zu Bruno Kreisky und Hertha Firnberg u. v. m. Der theoretische Tiefgang und der seelische Höhenflug, die die Partei bis zur Ära Kreisky charakterisierten, sind, so Leser, in den vergangenen 25 Jahren abhanden gekommen. An der heutigen Partei übt Leser harsche Kritik, denn: Die Ideale der Vergangenheit, zugunsten der materiell Benachteiligten zu arbeiten, sind dem Politpragmatismus gewichen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 10.10.2008
Rezensent Wolfgang Taus zeigt sich alles in allem ganz angetan von dieser kritischen Zustandsbeschreibung der österreichischen Sozialdemokratie, die Norbert Leser, selbst langjähriges Parteimitglied, verfasst hat. Zwar empfiehlt Taus dem Leser eine "kritische Distanz", doch wenn man die aufbringt, lohnt sich die "wortgewaltige Abrechnung" seiner Meinung nach. Er schätzt das Buch als "wichtiges Zeitdokument" und "flüssig zu lesen". Leser argumentiert in den Augen des Rezensenten zwar manchmal "widersprüchlich", aber eben durchaus auch "scharfsinnig" - vor allem, wenn er um die Bewertung einzelner, für die Parteigeschichte wichtiger Personen geht.
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