Aus dem Englischen von Simone Jakob. Es ist fast so, als gehöre Zamani zur Familie. Während Abednego Mlambo mit den Geistern seiner Vergangenheit ringt und seine Frau Agnes Trost im Glauben sucht, drängt sich dieser rätselhafte Untermieter mehr und mehr in ihr Leben. Jeden Schwachpunkt nutzt er, sich in die Leerstellen zwischen ihnen zu drängen, ihre Geschichte zu seiner zu machen. Er schmeichelt sich ein, nährt die Alkoholsucht Abednegos und zeigt sich auf unglaubliche Weise hilfsbereit bei der Suche nach dem verschwundenen Sohn. Wie jeder machtbesessene Despot, weiß Zamani, dass derjenige, der die Geschichte kontrolliert, die Zukunft erbt.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 30.08.2023
Rezensentin Sonja Hartl ist fasziniert vom Debüt der simbabwischen Autorin Novuyo Rosa Tshuma, die den Völkermord an den Nbelede durch eine Spezialeinheit der simbabwischen Armee verhandelt. Unter Robert Mugabe wurden von 1983 bis 1987 über 20.000 Menschen dieser Bevölkerungsgruppe ermordet. Der Ich-Erzähler Zamani schleicht sich in Tshumas Geschichte in eine zerbrochene Familie ein, deren Sohn verschwunden ist, lesen wir, und beginnt diese zu manipulieren, versucht, seine verdrehte Version der Geschichte zu etablieren. Tshuma schreibt gegen das "angsterfüllte Schweigen" an, das in der simbabwischen Gesellschft noch heute über das Verbrechen herrscht, so Hartl. Dabei gelingt ihr trotz der Schwere der verhandelten Fragen, eine "hochkomische", "leichte" und zugleich fesselnde Geschichte, bewundert die Kritikerin.
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