Die Stadt- und Kongresshalle steht für ein Kulturphänomen, das sich schon im 19. Jahrhundert einem Massenpublikum widmete. Insbesondere in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg hatte dieser Bautyp dann in ganz Europa Konjunktur - vor allem als Zeichen eines kulturellen Neubeginns. Doch welchen Wert und welche Wertigkeit besitzen diese überwiegend in den 1960er und 70er Jahren entworfenen Kulturbauten in der heutigen Zeit? Kann ihre architektonische Qualität und Denkmalwürdigkeit wirklich bewahrt werden, wenn gleichzeitig einem aktuellen Nutzungsbedarf, wirtschaftlichen Überlegungen und energetischen Standards entsprochen werden soll? Dieses Buch stellt die Bauaufgabe der Stadt- und Kongresshalle in den Kontext der Architektur- und Gesellschaftsgeschichte nach 1945. Dabei richtet sich der Blick sowohl auf die ästhetische Qualität der Architektur als auch auf soziale und politische Hintergründe für die Entwicklung der Stadt- und Kongresshalle als Baugattung - und bündelt damit ein breites Know-how von Theorie und Praxis für nachhaltige Maßnahmen an Großbauten der Nachkriegsära.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.06.2015
Michael Mönninger kann die soziokulturellen Vorzüge der "Massenkultur der Mehrzweckbauten" durchaus würdigen, warum die Autoren des von Olaf Gisbertz herausgegebenen Bandes "Bauen für die Massenkultur" aber darauf bestehen, auch die Ästhetik der Bauunternehmen der Sechziger und Siebziger zu verteidigen, kann der Rezensent nicht nachvollziehen. Weder haben "schütter bebaute Freiflächen" im Westen mehr als die Proportionen mit einer griechischen Agora gemein, noch zeichneten sich die in der DDR entstandenen "Flachbauten mit Kulturaufgaben" ausgerechnet durch ihre Optik aus, so Mönninger. Man kann den Wert dieser Architektur verteidigen, weiß der Rezensent, dieser Band aber hat den falschen Weg hierfür eingeschlagen, findet er.
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