Seit mehr als 40 Jahren befasst sich der Architekt und Stadtplaner Jan Gehl damit, Plätze, Straßen, ja ganze Stadtviertel zum Wohle der Bewohner neu oder umzugestalten. Er stützt sich dabei auf Erkenntnisse, die er durch langjährige Untersuchungen von Großstadtsituationen in verschiedenen Ländern gewonnen hat. Indem Gehl selbst Millionenstädte kleinmaßstäblich und im Detail betrachtet, entwickelt er Mittel und Wege, dysfunktionale und unwirtliche Stadtlandschaften entscheidend zu verändern. Dabei finden demografische Entwicklungen und sich wandelnde Lebensstile ebenso Berücksichtigung wie gestalterische Prozesse. Wichtigster Grundsatz für Jan Gehls Stadtplanung nach menschlichem Maß: Der Stadtraum muss mit der Geschwindigkeit eines Fußgängers erlebt werden statt aus einem Fahrzeug heraus. Nur so kann es gelingen, sowohl traditionelle Metropolen wie die schnell wachsenden Städte von Entwicklungs- und Schwellenländern zu "Städten für Menschen" zu machen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 12.05.2015
Dass Architektur eine Verantwortung hat, lernt Robert Kaltenbrunner bei Jan Gehl. Auch wenn ihm der dänische Stadtplaner weniger Machtverhältnisse und Konfliktpotenziale erläutert, als dass er die konkrete Umsetzung von bewohnertauglicher Architektur in einer Art Manifest propagiert, fühlt sich der Rezensent angeregt und erkennt: Hier legt einer den Finger in die Wunde. Dass Gehl das assoziationsreich, mit jeder Menge Bildmaterial und konkreten Leitlinien macht, gefällt dem Rezensenten.
Klaus Englert liest gern, wie der Kopenhagener Architekt Jan Gehl dreißig Jahre lang an Konzepten zur grünen, menschenfreundlichen Stadt mitwirkte. Dass sich die im Buch niedergeschriebenen Erfahrungen des Autors als städtebaulicher Berater von Melbourne bis Moskau auf die Praxis beschränken und Gehl seine ganz persönliche Erfolgsstory des ökologischen Stadtumbaus nicht mit theoretischen Überlegungen beschwert, indem er etwa über die ihm begegnenden politischen Widerstände in autoritären Gesellschaften spricht, findet der Rezensent etwas schade.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.03.2015
Den Mann lobt sich Michael Mönninger als Akteur, aber nicht als Autor. So sinnvoll die Taten des Stadtplaners Jan Gehl in Sachen Reurbanisierung, meint Mönninger, so wenig lesbar nehmen diese Verdienste sich in Buchform aus. Hier erweist sich die Philosophie des Dänen Gehl als recht schlicht, findet er. Und die "Wimmelbilder" von urbanen Orten, Plätzen, Zonen gehen dem Rezensenten auf den Nerv. Wie ein Katalog für Freizeitmode und Reisen, schreibt er verärgert, zumal keine nennenswerte Argumentation, keine Psychohistorie das Ganze stützt. Seitenlanges Geplauder über Idealstädte, das aus rein selbstreferenziellen Quellen schöpft, kann der Autor sich sparen, schimpft Mönninger.
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