Eine Kneipe in der Hauptstadt Yaounde - der Wirt, sein Hund, die illustre Kundschaft - bilden den Mikrokosmos, der trefflich für das Ganze steht: das Leben im heutigen Kamerun. Es ist der Hund Mboudjak, der hier erzählt und neben den äußeren Ereignissen - den kleinen Freuden und großen Problemen, neben wirtschaftlichem Niedergang, Politik und Gewalt - findet der denkende Vierbeiner jede Menge Grundsätzliches (und Komisches) zu der Frage: Was ist der Mensch? Ausgezeichnet mit dem "Grand Prix Litteraire de l'Afrique noire" 2002, dem höchsten Literaturpreis für afrikanische Autoren und dem "Prix Litteraire Marguerite Yourcenar" 2001.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.07.2010
In die Perspektive eines Hundes begibt sich Rezensent Tobias Döring mit Patrice Nganangs "Hundezeiten" und macht so nahe über dem Erdboden erstaunliche Entdeckungen. Mit einer hervorragenden Spürnase ausgestattet streift er während der Lektüre durch Yaounde, die Hauptstadt Kameruns und erlebt dort aus dem Blickwinkel eines Kneipenhundes Trinkgelage mit Prostituierten oder wird als Schoßhund einer Dame der besseren Gesellschaft Zeuge kleiner Eifersüchteleien. Wenn der Hund, der auch mal einen Tritt wegstecken muss, schließlich auf einen Schriftsteller trifft, der längst einen Roman mit dem Titel "Hundezeiten" geschrieben hat, fühlt sich der Rezensent durch diese "selbstreflexive Schleife" gar an Paul Auster erinnert. Wieder in Kritikerperspektive angelangt, ist er hocherfreut über dieses eigensinnige, lebendige Bild städtischen Lebens, dem die Übersetzung in nichts nachsteht und rät nicht nur Hundefreunden zu diesem interessanten Perspektivwechsel.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 11.12.2003
Mit diesem Roman lässt der im Kamerun geborene und im Exil lebende Autor, einen Hund durch Yaounde, die Stadt seiner Kindheit laufen, viele Eindrücke sammeln und nach "Menschlichkeit suchen", informiert Angela Schader. Wer jedoch eine "nostalgisch verklärte Kindheitswelt" erwartet, wird von der Rezensentin gewarnt, denn Yaounde wird in den Augen des Hundes als stinkende, erbärmliche Stadt, mit hauptsächlich armen, rohen und feigen Bewohnern gezeichnet. Schader weist auf die literarischen Risiken hin, die die Perspektive eines sprechenden, denkenden Hundes bietet und rühmt den Autor dafür, diese Schwierigkeiten gut gemeistert zu haben. Denn der Hund hat bei ihm weder die "naive Attitüde" wie der Protagonist in Paul Austers Buch "Timbuktu", noch die Analysefähigkeit, mit der John Berger den hündischen Helden in seinem Roman "King" ausgestattet hat, lobt die Rezensentin. Stattdessen hat Nganang seinen Hund als aufmerksamen, "unbefangenen" Beobachter dargestellt, der seine Kritik an der Gattung Mensch ausschließlich aus seinen Eindrücken gewinnt, so Schader äußerst angetan.
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