Entscheidung in Spanien
Der große Kampf der Literatur 1936-1939

C.H. Beck Verlag, München 2026
ISBN
9783406843631
Gebunden, 352 Seiten, 28,00
EUR
Klappentext
Am 19. Juli 1936 besteigt General Francisco Franco ein Flugzeug in Richtung Tetuán, um sich einem Aufstand gegen die spanische Republik anzuschließen. Spontan brechen mutige Freiwillige aus mehr als fünfzig Ländern auf, um Spanien gegen den faschistischen Umsturz zu verteidigen. Ernest Hemingway, Robert Capa, George Orwell, Simone Weil, Willy Brandt und viele andere schließen sich ihnen an. Der große Spanienkenner Paul Ingendaay erzählt von ihren Kämpfen mit Waffe, Stift und Fotoapparat - eine packende Geschichte von Mut und Verblendung, auf die schon der Schatten des Zweiten Weltkriegs fällt. Sommer 1936: In Madrid kühlen Anwohner das heiße Straßenpflaster mit Wasser, während wenige Häuser weiter im Parlament eine Pistole gezogen wird. Auf den Wagner-Festspielen in Bayreuth erhält Hitler einen Brief: Ein gewisser General Franco bittet ihn um militärische Unterstützung bei einem Putsch gegen die spanische Regierung. Sechs Tage später macht sich eine deutsche Fliegereinheit in Zivil unter dem Codenamen "Unternehmen Feuerzauber" bereit für den Einsatz. Es ist die Zeit der großen Entscheidungen in Europa - und auch die der Zufälle, des Verrats und der tragischen Ironie. Spontan beschließen Zehntausende Freiwillige aus aller Welt, Spanien im heraufziehenden Bürgerkrieg beizustehen. Es sind Künstler, Reporterinnen, Intellektuelle und Verfolgte, es sind Helfer und Krankenschwestern, Idealistinnen und Abenteurer. Vor dem Hintergrund des Spanischen Bürgerkriegs lässt Paul Ingendaay jene Spaltung lebendig werden, die sich durch Familien, Dörfer und Nationen zog - und die die Frontlinien des 20. Jahrhunderts bestimmen sollte.
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Info)
Rezensionsnotiz zu
Die Welt, 06.06.2026
Rezensent Richard Kämmerlings vertieft sich interessiert in Paul Ingendaays Buch über den spanischen Bürgerkrieg. Er begegnet hier einem umfangreichen Figurenensemble, zu dem internationale Künstler und Literaten wie Ernest Hemingway, John Dos Passos oder George Orwell gehören, die sich auf die Seite der Republikaner geschlagen hatten; aber auch viele spanische Denker. Ingendaay zeigt auf, wie sich die von Moskau unterstützte, viele Freiwillige rekrutierende republikanische Seite sich von Anfang an als Kämpfer für das Gute empfand: Ein Selbstbild, das freilich mit dem brutalem Vorgehen insbesondere gegen die Kirche und auch in innerlinken Konflikten in einen Widerspruch tritt. Die Gegenseite der rechten Putschisten hatte dieses Problem nicht, weil sie von Anfang an ohne moralische Skrupel agierte. Zu den Episoden, auf die das mosaikartig entworfene Buch näher eingeht, gehört unter anderem die Entfremdung von Dos Passos und Orwell vom republikanischen Vorgehen im Krieg und auch vom Kommunismus allgemein. Es ist vor allem die Vielfalt der hier verarbeiteten Erfahrungen, die Kämmerlings für dieses starke Buch einnimmt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.04.2026
Rezensent Thomas Steinfeld empfiehlt Paul Ingendaays Buch über den Spanischen Bürgerkrieg als Mahnmal und ergreifende Lektüre. Ergreifend auch, da Ingendaay im Präsens prägnante Szenen aneineranderreiht, Perspektiven und Orte wechselt und eine packende historische Reportage vorlegt, die den Leser reinzieht, wie Steinfeld beteuert. Daneben wird das Engagement der Künstler behandelt und die Aussagen der Intellektuellen in Erinnerung gerufen. Für Steinfeld eine klar linksparteiische Darstellung, die in ihrer Anschaulichkeit die Grenzen des Erträglichen testet.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 27.03.2026
Rezensent Marko Martin hält Paul Ingendaays Darstellung des Spanischen Bürgerkriegs aus Sicht von Literaten und Künstlern für den besten Einstieg zum Thema. Großes Plus für Martin: Der Spanien-Kenner Ingendaay bleibt nicht bei den bekannten Figuren, wie Picasso, Hemingway, Orwell oder Robert Capa stehen, sondern stellt auch die Perspektiven weniger bekannter Zeitgenossen, wie der Fotografin Gerda Taro, dem Autor Manuel Nogales oder Simone Weil vor, die die "Mordlust" der eigenen Leute in den Blick nahm. Dabei glänzt der Autor laut Martin mit prägnanten Interpretationen und kann seinen Text zu einer "Intellektuellen-Geschichte" des 20. Jahrhunderts über Mut, Verrat und Solidarität weiten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 20.03.2026
Rezensentin Jana Fuchs hält das Buch des Spanien-Kenners Paul Ingendaay für ein Buch zur Zeit. Den Spanischen Bürgerkrieg betrachtet der Autor über die Schulter von mehr oder weniger engagierten Intellektuellen und Künstlern der Zeit wie Picasso, Garcia Lorca oder Simone Weil und indem er fragt, wie man sich in einer solchen Situation verhalten, wo man stehen und welche Mittel man anwenden würde, um seine Überzeugungen zu verteidigen. Für Fuchs trifft der Autor mit solchen Fragen einen Nerv des heutigen Lesers. Indem Ingendaay von den Erfahrungen im Spanischen Bürgerkrieg erzählt, von Thomas Manns Zurückhaltung oder der Desillusionierung Weils angesichts der Gewalt in den Reihen der Anarchisten, konfrontiert er uns mit unserer eigenen Haltung in Kriegszeiten, findet die Rezensentin.