Aus dem Schwedischen von Kristina Maidt.Als Virginia Woolf 1931 ihren Roman The Waves veröffentlichte, stellte sie die bestehende (literarische) Ordnung ebenso in Frage wie Albert Einstein mit seiner ein Jahrzehnt zuvor veröffentlichten Relativitätstheorie die klassische Physik. "Die Parallelen zwischen der Verwendung von Metaphern in der Literatur und in der Wissenschaft sind zahlreich und keineswegs trivial", schreibt Per Molander in diesem Essay, in dem er faszinierende Analogien zwischen Romanexperimenten des frühen 20. Jahrhunderts und der modernen Physik aufzeigt. Sein Buch bewegt sich zwischen Virginia Woolfs zielstrebigem Streben nach einer Wirklichkeit, die den ganzen Menschen umfasst, und den Bemühungen der Physiker um eine Wirklichkeitsdarstellung, die der Komplexität der äußeren Welt Rechnung trägt. In beiden Fällen war das Ergebnis paradoxerweise ein verstärktes Gefühl der Unsicherheit in einer Welt ohne Halt.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 29.09.2023
Rezensent Arno Orzessek warnt: Das Buch des Mathematikers Per Molander ist nicht für jeden Geschmack. Wie der Autor oft recht spekulativ versucht zu zeigen, inwieweit Virginia Woolf in ihrem Roman "Die Wellen" Theoreme und Begriffe der zeitgenössischen Mathematik und Physik aufgreift und metaphorisch verhandelt, findet der Rezensent allerdings höchst anregend. Eine gewisse Vorbildung ist aber nötig, um den Sprung zwischen Literatur und Physik zu vollziehen, meint Orzessek. Dann belohnt der Autor den Leser mit dem ein oder anderen Aha-Moment, verspricht der Rezensent. Andere müssen sich mit Molanders Einführung in Woolfs Lebensgeschichte und den extensiven Zitaten aus dem Roman und aus Woolfs Tagebüchern begnügen, so Orzessek.
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