Herausgegeben von Frank-Rutger Hausmann. Ernst Robert Curtius war nicht nur Hochschullehrer und Literaturhistoriker, sondern auch Essayist, Pamphletist, Übersetzer, Kritiker und Journalist und beschränkte sich keineswegs auf die französische Literatur. Hervorzuheben sind z.B. seine Arbeiten zu Joyce, T.S. Eliot oder José Ortega y Gasset, Autoren, mit denen er auch korrespondierte. Für die vorliegende Edition wurden über 3.500 Briefe an Verwandte, Freunde, Weggefährten, Gelehrte, Schriftsteller (darunter sechs Nobelpreisträger) und Verleger aus elf Ländern zusammengetragen und in einer 350 Stücke umfassenden repräsentativen Auswahl veröffentlicht und kommentiert.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.09.2015
Rezensent Stefan Rebenich lernt in der Korrespondenz zwischen Ernst Robert Curtius und Max Rychner einen klassischen Gelehrten kennen, geprägt von Selbstzweifeln, aber auch von bildungsbürgerlicher Arroganz, der den Naziterror ablehnte, aber auch antisemitische Klischees reproduzierte, wie Rebenich feststellt. Vor allem aber macht die laut Rebenich verdienstvolle Edition des Romanisten Frank-Rutger Hausmann, die in einem zweiten Band exemplarische Briefe zu den wichtigsten wissenschaftlichen und privaten Etappen des Romanisten versammelt, den Leser mit dem "begnadeten Epistolografen" Curtius bekannt und eröffnet eine für den Rezensenten faszinierende Literatur- und Kunstgeschichte der Zeit von 1923 bis 1955. Welche Bedeutung das Medium Brief damals hatte, erfährt Rebenich aus diesem "vielschichtigen" wie für ihn beklemmenden Porträt. Und dass die Abrechnungen der 1970er, die aus Curtius einen Antisemiten und Antidemokraten machen wollten, überholt sind.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.08.2015
Rezensent Niklas Bender ist ganz verzückt, dass nun gleich zwei Bände mit Briefen des großen Romanisten Ernst Robert Curtius unter sorgfältiger Edition Frank-Rutger Hausmanns erschienen sind. Insbesondere freut sich der Kritiker über die "Briefe aus einem halben Jahrhundert", die Korrespondenzen mit Gide, Proust, Joyce, der Mann-Familie, Panofsky, Auerbach, Jaspers, Theodor Heuss und vielen anderen enthalten. Bender lernt hier nicht nur auch einige Neuigkeiten über Leben, Werk und Stil des Gelehrten kennen, sondern erlebt Curtius auch als beredten Diplomaten und "wüsten Polemiker", der etwa mit Jaspers über Goethe debattiert. Auch Hausmanns sachkundigen Kommentar zu diesem verdienstvollen Epochendokument hat der Rezensent mit Gewinn gelesen, wenngleich er gestehen muss, dass etwas weniger Informationsfülle leserfreundlicher gewesen wäre.
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