Als Karl Corino 2003 nach rund 40 Jahren Recherche seine 2000 Seiten umfassende Biografie Robert Musils vorlegte, konnte man glauben, Leben und Werk des Schriftstellers seien nun bis in den letzten Winkel erforscht. Das war eine Illusion. In den vergangenen anderthalb Jahrzehnten wurden Funde gemacht, mit denen nicht zu rechnen war. Neu entdeckte Dokumente und Fotos schlossen Lücken in der Biografie Musils, und an die Stelle der Vermutung trat mitunter Gewissheit. So sammelt das vorliegende Werk verstreut gedruckte Aufsätze, sie stehen neben Studien, die eigens für diesen Band geschrieben wurden. Die Fotos bilden einen ausdrücklichen Mehrwert. Zahlreiche werden hier erstmals veröffentlicht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.07.2022
Rezensent Jochen Hieber hat keinen Zweifel an Karl Corinos Expertise betreffend Leben und Werk Robert Musils. Die erscheinenden Misszellen, größere und kleinere Aufsätze Corinos, die meisten bereits vorher veröffentlicht, aber auch sechs unpublizierte, bieten dem Rezensenten daher hübsche Fundsachen wie die über Musils erste Kinderfrau oder den Bodybuilder Musil und Musil-Anekdoten wie jene über den Haus-Floh. Gewichtigeres wie den Aufsatz über Musils Mussolini-Ansichten, verschlingt Hieber ohnehin mit Wonne. Richtig ärgerlich findet der Rezensent allerdings die "unseriöse Komposition" des Bandes ohne Sinn, Maß und Erläuterungen, dafür mit Redundanzen noch und nöcher. Auf redaktionelle Sorgfalt muss der Leser leider verzichten, klagt der Rezensent.
Rezensent Oliver Pfohlmann möchte Karl Corino auf keinen Fall einen Erbsenzähler nennen. Was Corino in Sachen Robert Musil geleistet hat, ist mehr als ein Lebenswerk und hat den Musil-Lesern so manches Geheimnis und manche Quelle erschlossen, beteuert der Rezensent. Dass Corinos neues Buch über Musil nicht nur von lebenslanger Recherche profitiert, sondern auch die ein oder andere Redundanz aufweist, kann der Rezensent dem Autor daher verzeihen. Wie sehr bei Musil alles mit allem vernetzt ist und wie sehr er sich für seine Geschichten und Figuren in der Wirklichkeit bedient hat, das macht Corino einmal mehr aufs Genaueste sichtbar, indem er eigene Aufsätze und Essays und neues Bildmaterial zusammenstellt, so Pfohlmann.
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