Peter Gardos

Fieber am Morgen

Roman
Cover: Fieber am Morgen
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2015
ISBN 9783455405576
Gebunden, 256 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Ungarischen von Timea Tankó. Im Juli 1945 wird Miklós, ein junger Ungar, nach Schweden gebracht. Er hat das KZ Bergen-Belsen überlebt, besteht nur noch aus Haut und Knochen, Zähne hat er auch keine mehr. Sein Arzt gibt ihm sechs Monate. Doch er hat andere Pläne. 117 junge Frauen aus Miklós' Heimatstadt haben wie er die Vernichtungslager überlebt und es nach Schweden in Erholungsheime geschafft. Jeder einzelnen von ihnen schreibt er einen Brief. Eine dieser Frauen wird er heiraten, das hat er sich fest vorgenommen. Hunderte Kilometer entfernt liest Lili seinen Brief und beschließt, ihm zu antworten. Brief um Brief verlieben sich die beiden ineinander. Im Dezember 1945 treffen sich Miklós und Lili zum ersten Mal. Sie haben nur drei Tage. Und lieben sich vom ersten Augenblick. Nun müssen sie nur noch einen Weg finden, wie sie heiraten können. Und Miklós darf nicht sterben.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2015

Rezensentin Felicitas von Lovenberg kann ihre Enttäuschung kaum im Zaum halten: Wie kann man eine derart berührende, vom Leben geschriebene Geschichte literarisch nur so daneben gehen lassen, klagt die Kritikerin nach der Lektüre von Peter Gardos' Roman "Fieber am Morgen". Die Geschichte seines Vaters, der das Konzentrationslager Bergen-Belsen überlebt, im Sommer 1945 unterernährt und krank auf ein Lazarettschiff in Schweden gelangt, trotz gegenteiliger ärztlicher Diagnose die Tuberkulose überlebt und 117 Frauen aus Debrecen Briefe schreibt, um schließlich eine davon zu heiraten, wird von Gardos dermaßen übertrieben, gelegentlich kitschig, dramatisiert und zugleich banal erzählt, dass die Rezensentin es gar bereut, dass Buch überhaupt gelesen zu haben. Allein die "aufgesetzte Heiterkeit", mit der Gardos von den Lagererfahrungen der Eltern berichtet, lässt Lovenberg nur den Kopf schütteln, sie kann nur hoffen, dass die von dem Autor und Regisseur bereits abgedrehte Verfilmung des Stoffes besser wird.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 10.10.2015

Paul Jandl liest Péter Gárdos Roman über die Liebe seiner Eltern als Tatsachenbericht mit ein paar "aufgemöbelten Stellen". Was in Cinemascope beginnt, als chronologisch erzählte Liebesgeschichte nach der Befreiung aus Bergen-Belsen und mit der Hochzeit in Schweden weitergeht und schließlich glücklich endet, ist für den Rezensenten auch eine Geschichte über den Holocaust, auch wenn davon nie direkt erzählt wird, wie er schreibt. Akribisch und gefühlvoll, aber nicht kitschig, da die Geschichte ja wahr ist, berichtet der Text vom Überlebenswillen seiner Figuren, meint Jandl.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.10.2015

Das Romandebüt des ungarischen Theater- und Filmregisseurs Péter Gárdos könnte durchaus zum Welterfolg werden, glaubt Rezensent Stephan Speicher, auch weil es so leicht zu lesen sei. Das Buch ist kurz, arbeitet mit simplen Mitteln und überzieht dabei nicht seine sprachliche Form, lobt der Rezensent. Zugleich sei es ein sonderbarer Fall, nämlich ein Buch über den Holocaust mit einem glücklichen Ausgang. In der Liebesgeschichte zwischen den beiden KZ-Überlebenden Miklós und Lili liegt für Speicher etwas "rührend Unbeholfenes", auch im Drumherum erscheint ihm manches süßlich. Doch er will dem Roman all das verzeihen, wegen seiner sympathischen Figuren und "einer Art moralischen Freude", mit der der Leser das letztlich glückliche Schicksal zweier geschundener Seelen begleite.

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