Aus dem Serbokroatischen von Milo Dor. Ildi ist elf, geschoren und angezogen wie ein Bub. Man sagt, sie sei ein böses, gefühlloses und egoistisches Kind. Dabei will sie nur ihr schönes, erfundenes Leben leben - in Bergen-Belsen, wo sie das Sterben der anderen scheinbar seltsam unberührt lässt. Ihre Lieblingsbeschäftigung, der sie gemeinsam mit zwei anderen Mädchen nachgeht, ist das »Wetten am Tor«. Bei diesem Zeitvertreib wetten die Kinder darauf, welche von den "lebenden Leichen", die täglich den Karren mit den Toten zum Krematorium ziehen, als nächste umfallen und nicht mehr aufstehen wird.
Dort "wo das Leben, nicht der Tod Wahnsinn ist" verkehren sich die Bedeutungen der Worte. Dorothea Dieckmann musste bei der Lektüre, schon "aufs Grauen" gefasst, "den Atem anhalten", wenn alltägliche Worte fielen. Denn, so die Rezensentin, den Ton der Autorin begreife man schnell. Sie skizziere "mit erwachsenem Minimalismus eine kindliche Figur" - sich selbst als elfjähriges Mädchen im Lager von Bergen-Belsen. Die Rezensentin erfährt etwas aus dem "Inneren des Lagers, vom Lager als einem Zustand des Ichs" und empfiehlt das "ungeheure kleine Buch" als ein "bescheidenes, monströses Muss".
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