Die Beziehung zwischen Bonn und Paris in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre war eine Abfolge von Krisen. An die Stelle der Euphorie der späten Adenauer-Zeit war mittlerweile Ernüchterung getreten. Die Große Koalition bemühte sich zwar intensiv um eine Verbesserung der Beziehungen zu Frankreich, doch waren die Interessen und Positionen beider Länder zu verschieden. Meinungsunterschiede gab es insbesondere hinsichtlich der diskutierten Erweiterung der EWG um Großbritannien und bezüglich der Haltung gegenüber den in den Vietnamkrieg verstrickten Vereinigten Staaten von Amerika. Darüber hinaus scheiterte der Versuch einer gemeinsamen deutsch-französischen Ostpolitik. Kurt Georg Kiesinger und Willy Brandt gelang es jedoch, einen Bruch im deutsch-französischen Verhältnis in der schwierigen Endphase der Ära de Gaulle zu verhindern. Dabei mußten sich beide auch gegen Kritiker aus den Reihen der Regierungsfraktionen durchsetzen, die vor dem Hintergrund der Krise in den transatlantischen Beziehungen und in der Europapolitik einen konfrontativen Kurs gegenüber der gaullistischen Außenpolitik forderten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.06.2008
Philip Rosin kommt in seinem Buch über die deutsch-französischen Beziehungen in den Jahren der Großen Koalition zwischen 1966 und 1969 zu dem Schluss, dass es bei allen teils erheblichen Irritationen dennoch gelungen ist, eine größere Entzweiung zwischen Deutschland und Frankreich zu verhindern, konstatiert Günter Buchstab in seiner Kurzkritik. Drei Phasen mache der Autor aus, in der er die Frankreichpolitik Kiesingers von positiven Annäherungen bis zum Streit in der Haltung gegenüber dem Atomwaffensperrvertrag nachzeichne, so der Rezensent, der gegen diese Darstellung offenbar keine Einwände hat.
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