Bereits mit dem Ende Buchenwalds begannen die späteren Protagonisten des Komitees mit der Mythisierung ihrer Lagergeschichte. Die »internationale Solidarität« zwischen den Häftlingen, der unter kommunistischer Führung organisierte Widerstand sowie der kurz nach der Befreiung geleistete 'Schwur von Buchenwald' als Vermächtnis aller Überlebenden machten sie zu zentralen Narrativen dieses Mythos. Bis in die sechziger Jahre hinein unterdrückte die SEDFührung wiederholt die Aktivitäten des Komitees. Erst allmählich wurde sein Buchenwald-Mythos zu einem wichtigen Teil des DDR-Antifaschismus. Dennoch agierte das IKBD auch danach stets im Spannungsfeld zwischen Parteidisziplin und Eigenwilligkeit. Das erleichterte die Transformation nach 1989, und es gelang dem IKBD, auch unter den neuen politischen Verhältnissen als Repräsentant der Buchenwald Überlebenden Anerkennung zu finden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.12.2014
Philipp Neumann-Theins historiografische Studie scheint Christopher Dowe beeindruckend, da sie ihm mit Hinweis auf die netzwerkbildenden Kräfte der Vereinigung bedeutet, welche geschichtspolitischen Inhalte das Internationale Buchenwald-Komitee verfolgte und wie diese sich in die Kultur des Kalten Krieges einfügten. Auch die Motive arbeitet der Autor laut Dowe gut heraus und zeigt überdies, wie die DDR Buchenwald und das Überlebendenkomitee für eigene Zwecke nutzte. Dass der Autor nicht mit dem Ende des Ostblocks schließt, sondern weitere Veränderungen des Komitees seit den 80er Jahren berücksichtigt, findet Dowe bemerkenswert.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.12.2014
Auch wenn es die Überlebenden waren, die die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus nach dem Krieg in Gang setzten, wie Sybille Steinbacher, macht ihr Philipp Neumann-Thein in seinem Buch deutlich, dass Erinnerung keine historische Wahrheit beanspruchen und kritisch reflektierte Geschichtsschreibung also nicht ersetzen kann. Indem der Autor den Buchenwald-Mythos der DDR dekonstruiert, auf seine geschichtspolitische Funktion herunterbricht und in den Kontext des Kalten Krieges stellt, hinterfragt er laut Steinbacher "eindrucksvoll" und auf "produktive Weise verstörend" die Rolle der Übelebendenverbände als Akteure der Erinnerung.
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