Carl Schrade

Elf Jahre

Ein Bericht aus deutschen Konzentrationslagern
Cover: Elf Jahre
Wallstein Verlag, Göttingen 2014
ISBN 9783835313989
Gebunden, 336 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Herausgegeben und kommentiert von Kathrin Helldorfer, Annette Kraus und Jörg Skriebeleit. Aus dem Französischen von Susanne Röckel. Ein frühes Zeugnis des KZ-Häftlings Carl Schrade gibt detaillierte Einblicke in das System der Konzentrationslager. Wegen mehrerer Vorstrafen für Eigentumsdelikte war er 1934 verhaftet und von da an als sogenannter Berufsverbrecher elf Jahre in Konzentrationslagern interniert worden: zunächst in Lichtenburg, Esterwegen, Sachsenhausen und Buchenwald und von 1939 bis zur Befreiung 1945 im KZ Flossenbürg. Dort wurde er Oberkapo im Krankenrevier und setzte sich unter Lebensgefahr für seine Mitgefangenen ein. Zu Lebzeiten konnte Schrade keine Leserschaft für seinen Bericht finden. 2010 tauchte das Manuskript im Nachlass eines französischen Mithäftlings und Freundes auf. Mit der Publikation dieses Zeugnisses wird zum ersten Mal die Stimme eines als "Berufsverbrecher" verfolgten NS-Opfers laut. Diese äußerst heterogene Haftgruppe stand, ähnlich wie die als "Zigeuner" und "asozial" Verfolgten bereits vor 1933 am Rande der Gesellschaft; eine Ausgrenzung, die sich nach der Befreiung fortsetzte.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.08.2014

Als Gewinn in der an Titeln nicht mehr armen Literatur von KZ-Überlebenden begrüßt Ahlrich Meyer diesen Band. Schrade äußert sich als einer der wenigen Gefangenen mit "grünem Winkel", erläutert Meyer, Schrade gehörte also zur Gruppe der "gewöhnlichen Kriminellen". Allerdings kritisiert Meyer, dass die Herausgeber dies so hervorheben - denn leider erwähnt Schrade diesen Umstand in seinem Bericht nicht und ebenso wenig den Umstand, dass die "Grünen" in KZs häufig als Funktionshäftlinge und Kapos eingesetzt wurden und bei Mithäftlingen gefürchtet waren. Für Schrade galt das offenbar nicht, denn laut Meyer erzählt er authentisch und glaubhaft von seinen grausamen Erlebnissen.

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