Pierre Vidal-Naquet

Atlantis

Geschichte eines Traums
Cover: Atlantis
C.H. Beck Verlag, München 2006
ISBN 9783406543722
Gebunden, 188 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Annette Lallemand. Immer noch wird nach Atlantis gesucht - und immer wieder gibt es Meldungen, dass es endlich gefunden sei. Doch kein Geograf hat Atlantis je lokalisiert. Es verdankt seine Existenz einzig und allein dem genialen Schöpfer Platon, der mit der Beschreibung des untergegangenen Kontinents um 355 vor unserer Zeitrechnung ein eindeutig politisches Ziel verfolgte, eine politische Sciencefiction, um im Vergleich zwischen Athen und Atlantis sein Bild der guten Staatsform deutlich werden zu lassen. Atlantis machte in der Folgezeit eine erstaunliche Karriere, kein anderer antiker Mythos hat eine solche Wirkung entfaltet. Dabei wandelte sich das Atlantis-Bild vom negativen zum positiven, es wurde im Gegensatz zum platonischen Entwurf zum zivilisatorischen Vorbild - allerdings für sehr unterschiedliche Gesellschaftsmodelle.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.04.2006

Einen instruktiven Einblick in das "Kuriositätenkabinett der Wissenschaftsgeschichte" erblickt Barbara Patzek in diesem Buch über den Mythos Atlantis von Pierre Vidal-Naquet. Sie unterstreicht, dass der französische Historiker Atlantis als eine Projektion, eine Widerspiegelung der Macht Athens in einem Mythos von Ur-Athen betrachtet. Die Suche zahlloser Forscher und Wissenschaftler nach einem wirklichen Atlantis beschreibt Vidal-Naquet als eine "skurrile Geschichte der wissenschaftlichen Hirngespinste mit zunehmend geschmacklosem nationalistischem Hintergrund". Patzek attestiert dem polemisierenden Autor "gallisch-ironischen Witz", auch wenn ihr seine Ausführungen bisweilen etwas langatmig erscheinen. Als Lehre des Buches hält sie fest: Man solle die Mythen den Dichtern und Philosophen überlassen und gewarnt sein, "wohin ein von irrsinniger Genauigkeit besessenes historisches Spekulieren zwischen Realität und Fiktion führen kann".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.04.2006

Als eine "Geschichte der intellektuellen Welt Europas am Leitseil des Atlantis-Mythos" hat Rezensentin Christine Tauber dieses Buch des französischen Historikers Pierre Vidal-Naquet gelesen. Sie berichtet über die Wirkungsgeschichte der platonischen Erzählung vom sagenhaften Atlantis, deren Realitätsgehalt nach wie vor von einigen Autoren behauptet wird. Demgegenüber hebt sie Vidal-Naquets Auffassung hervor, bei Atlantis handle es sich um eine literarische Fiktion, eine negative Utopie, die Platon als Kontrastfolie gedient habe, um ein ideales und längst untergegangenes "Ur-Athen" um so strahlender erscheinen zu lassen. Die Rezeptionsgeschichte des "Atlantis-Mythos" belegt für Tauber vor allem, "dass der Phantasie keine Grenzen gesetzt sind, wenn es darum geht, Mythen fortzuspinnen". Das gleiche gelte für die Irrwege menschlichen Erfindungsgeistes. Kritisch äußert sie sich über den Duktus des Autors, der die Lektüre des Buches "nicht immer zu einem Lesevergnügen" mache. Sein Text bewege sich "zwischen gelehrtem und oft nur abbreviaturartig, sprunghaft-assoziativ (und zuweilen fast unverständlich) aufgerufenem Wissen einerseits und einer selbstgefälligen Magniloquenz andererseits".
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