Für seine Kritiker war das im November 1995 geschaffene Dayton-Bosnien von Anfang an ein "künstlicher" Staat, den eigentlich keine der ehemaligen Konfliktparteien in dieser Form haben wollte. Erst die Übertragung von weit reichenden Kompetenzen an den Hohen Repräsentanten der Staatengemeinschaft führte zu substanziellen Fortschritten im bosnisch-herzegowinischen Friedensprozess. Der Preis dafür ist freilich, dass der formal souveräne Staat Bosnien und Herzegowina kaum noch von einem internationalen Protektorat zu unterscheiden ist. Viele Hoffnungen im Hinblick auf ein Zusammenwachsen der beiden Staatsteile von Bosnien und Herzegowina, der Republika Srpska und der bosniakisch-kroatischen Föderation, sind auf das Engagement der Europäischen Union in der Balkan-Region gerichtet. Die EU hat den Ländern des Westbalkans eine Beitrittsperspektive gegeben, vorausgesetzt, dass es in der Region selbst eine engere Zusammenarbeit gibt. Europas Balkanpolitik steht vor allem in Bosnien und Herzegowina auf dem Prüfstand, denn die EU übt dort über ihren Hohen Repräsentanten nicht nur einen starken politischen Einfluss aus, sondern hat im Dezember 2004 auch die Verantwortung für die militärische Friedensmission übernommen. Im vorliegenden Sammelband ziehen Südosteuropaexperten aus einem sicherheitspolitischen, ökonomischen und humanitären Blickwinkel Bilanz
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.05.2006
Nüchtern und nicht sehr ausführlich informiert der Rezensent Lothar Rühl über diesen Band. Einzelne Beiträge werden nicht erwähnt. Man kann der Kritik aber entnehmen, dass dieser Band vor allem durch die Zurückhaltung und das Augenmaß überzeugt, mit denen er sich seinem heiklen Gegenstand widmet. Es geht darin um die europäische Balkanpolitik, und dabei auch um den gegenwärtigen Stand und die Folgen der Intervention, die Mitte der 90er Jahre den Krieg beendete. Mit Skepsis wird der Status Quo betrachtet, in dem Probleme oftmals weniger gelöst als vorläufig suspendiert scheinen - dies betreffe vor allem Bosnien und Herzegowina sowie das Kosovo. Der Rezensent teilt diese Skepsis und lobt die Autoren dafür, dass sie die sonst üblichen Beschönigungen nicht mitmachen.
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