Aus dem Englischen von Sabine Hedinger. Die Bewohner der fiktiven Londoner Vorstadt Arlington Park genießen in begrünten Sträßchen und bequemen Häusern die zweischneidigen Errungenschaften der modernen Zivilisation: Wohlstand, persönliche Freiheit und moralische Indifferenz. Sie leben angepasst und sicher, doch auch furchterfüllt und überzeugungsarm. Während der Roman den Verlauf eines einzigen verregneten Tages schildert, zeichnet er ein Psychogramm ihrer Befindlichkeit zwischen Zukunftsangst, Ehekrieg und Erziehungsalltag. Ein ebenso subversiv komisches wie anrührendes und scharfsinniges Porträt des Lebens in der heutigen westlichen Gesellschaft.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 07.07.2007
Die Rezensentin Angela Schader kommt zu einem gemischten Fazit über diesen Roman von Rachel Cusk, in dem es um scheinbar stabile Frauenexistenzen in einer (fiktiven) englischen wohlhabenden Vorstadt geht. Zum einen ist sie beeindruckt, was die Autorin so alles als Subtext in der Geschichte unterbringt: ein spannungsgeladenes, fast an Gewalt grenzenden Verhältnis zu den Kindern, das die Autorin schon einmal in einer kritischen nichtliterarischen Studie behandelt hat, oder die zwanghafte Beschäftigung der Briten mit der "Klassenfrage". Zum anderen ist die Rezensentin an manchen Stellen ganz schön gelangweilt vom "formlos fließenden Alltag" der Protagonistinnen, der sich auch bei der Lektüre bisweilen ganz schön zieht. Doch Schader ist sich nicht sicher, ob das nicht ein ganz bewusst eingesetztes Stilmittel ist, um den Lesern einmal vorzuführen, wie langsam die Zeit in Arlington Park verstreichen kann.
Mit Hochgenuss hat Rezensentin Alexa Hennig von Lange diese "sprachlich virtuos ziselierte Gesellschaftssatire" gelesen. Sie feiert die "ebenso beklemmende wie faszinierend poetische Art", mit der diese Autorin das Vorstadtpanorama beschreibt, in dem Protagonistin Maisie lebt und in dem die Frauen insgesamt ein recht eindimensionales Dasein führen, während ihre Männer Karriere machen. Das Buch sei als Episodenroman verfasst, lesen wir, und besticht Hennig von Lange besonders mit fein gezeichneten Beschreibungen menschlicher Zustände, "wetterbedingter Atmosphären, bildreichen Metaphern und verstörend politisch inkorrekten Dialogen". Und irgendwie fühlt sich die Rezensentin am Ende, als säße sie mitten unter den "schnatternden" und schimpfenden Frauen dieses Buchs, die ihr langweiliges Leben beklagen und aus Frust ihre Kinder anschreien.
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