Chris Cleave

Lieber Osama

Roman
Cover: Lieber Osama
Rowohlt Verlag, Reinbek 2006
ISBN 9783498009328
Gebunden, 300 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Marcus Ingendaay. Eine Geschichte, die nichts auslässt: Sex, Mord, Terror, Tränen, breite Schlagzeilen und den allgemeinen Ausnahmezustand. Alles beginnt damit, dass beim Lokalderby von Arsenal gegen Chelsea, Vieira spitzelt den Ball soeben zum 2:0 für die Gastgeber ein, plötzlich in einer grauschwarzen Wolke das Tor davonfliegt, mitsamt der Heimtribüne dahinter. Und es endet mit einem Abgesang auf die Werte der westlichen Zivilisation, wie wir sie zu schätzen glaubten. Mitten im Gewühl: die Erzählerin, eine heilige Johanna mit Schandmaul und goldenem Herzen. Und einem politischen Sachverstand, der in diesem Herzen gewachsen ist.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.09.2006

Man hat Chris Cleave Geschmacklosigkeit vorgeworfen, "doch auch das Gegenteil von gutem Geschmack kann gute Literatur sein", erklärt die Rezensentin Katharina Granzin resolut. In Cleaves (übrigens vor den Londonder Bombenattentaten verfasste) Geschichte um eine namenlose und stark nach Ken Loach schmeckende Ich-Erzählerin, die bei einem islamistischen Bombenattentat Mann und Sohn verliert, während sie sich gerade mit einem anderen vergnügt, und in einen Strudel von Ereignissen gerät, mischt sich Satire "in gewagter Rezeptur mit großem Drama". Und diese Kombination ist es auch, so die Rezensentin, die Cleave und seinen Roman "einmalig" macht: Der Leser lasse sich bereitwillig mitreißen von den starken Gefühlen der Erzählerin und goutiere jedoch gleichzeitig den mitschwingenden schwarzen Humor. Alles in allem ist "Lieber Osama" eine "wahrhaft explosive Lektüre", so das lobende Fazit der Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.07.2006

Chris Cleaves Roman über ein Attentat in London erschien im englischen Original am 7. Juli 2005, genau an jenem Tag, als tatsächlich vier Bomben die britische Hauptstadt erschütterten. Eine makabre Koinzidenz, die Angela Schader in ihrer Besprechung dieses Buchs natürlich nicht unerwähnt lassen kann. Der Roman ist als Brief an den Terror-Chef Osama bin Laden verfasst, und zwar aus der Perspektive einer jungen Frau aus der Arbeiterklasse, die bei dem (fiktiven) Attentat Mann und Kind verloren hat. Doch, baut Schader falschen Erwartungen vor, Cleave beschäftigt sich nicht wirklich mit al Qaida, dafür fehle ihm wohl auch das Rüstzeug, wie Schader spitz bemerkt, der nicht entgangen ist, dass Cleave Iraner für Araber hält. Der Entwicklung der Geschichte möchte Schader nicht vorgreifen, weswegen sie nur verrät, dass der Plot die klassisch britischen Probleme der Klassengesellschaft behandelt. Mit "Brio und Biss" geschrieben sei das Buch, spannend auch, aber leider von einer Moral getragen, die Schader ein wenig befremdet hat.

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