Ratzinger-Funktion

Cover: Ratzinger-Funktion
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2006
ISBN 9783518124666
Kartoniert, 152 Seiten, 8,50 EUR

Klappentext

Mit Beiträgen von Thomas Meinecke, Dietmar Dath, Felix Ensslin, Jochen Hörisch, Bettine Menke, Barbara Vinken, Slavoj Zizek und anderen.
Am 19. April 2005 wurde Joseph Ratzinger zu Benedikt XVI. gewählt. "Wir sind Papst!" verkündete am Tag darauf der Boulevard. Und bündelte darin bei aller Übergeschnapptheit doch die Hauptaspekte, unter denen das neue Kirchenoberhaupt seither erscheint: als Deutscher und als Popstar, bis hin zum Bravo-Poster. Was in der öffentlichen Repräsentation dagegen weitgehend ausgespart bleibt, ist der Dogmatiker und Theologe Ratzinger. In die so entstehende "Leerstelle" von außen her einzudringen, sprich: die Variablen der Ratzinger-Funktion zu füllen, ist das Experiment des vorliegenden Bandes. Thomas Meinecke hat es mit seinem gleichnamigen, in den Münchner Kammerspielen uraufgeführten Monolog Joseph Kardinal Ratzinger begonnen. Andere Autoren setzen es aus den unterschiedlichsten Positionen heraus fort. Mit völlig offenem Ausgang.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.05.2006

Wenn Burkhard Müller eins nicht leiden kann, dann sind es Sammelbände, die in ihrer Themenwahl zu richtungslos sind. Das lastet er auch dem Band über den Papst an, dem er schon den Titel übel nimmt. Hier zeige sich bereits die "Ratlosigkeit", die sich, so der Rezensent abwertend, auch in den heterogenen Beiträgen insgesamt wieder findet. Und so geht er mit fast allen Texten dieses Buches streng ins Gericht: Thomas Meineckes Dramolett, das Ratzinger über Glaubensfragen monologisieren lässt, spricht er nicht nur die Eigenleistung des Autors ab, Müller spürt auch die Langeweile, die das Stück auf der Bühne ausgestrahlt haben muss. Dem Beitrag von Bettine Menke, die sich an einer semiotischen Exegese der Mysterien versucht, wirft er wegen der extrem schwierigen Terminologie gar völlige "Unlesbarkeit" vor. Dietmar Daths Langgedicht, in dem der sich als bekennender Atheist über den Papst lustig macht, geißelt der Rezensent als niveaulos und Slavoj Zizek, den er immerhin "geistreich" findet, wirft er vor, zu wenig auf sein Thema fokussiert zu sein, um ihm folgen zu können. Einzig der Text von Felix Ensslin, in dem der Autor den Gründen für die zur Zeit beschworene "religiöse Erneuerung" nachgeht, überzeugt den indignierten Müller als notwendig und erhellend.

Beliebte Bücher

Tony Tulathimutte. Fiasko - Fiktionen . dtv, München, 2026.Tony Tulathimutte: Fiasko
Aus dem Amerikanischen von Stefanie Jacobs, Stefanie Ochel und Jan Schönherr. Ein erklärter Feminist fällt ins Wurmloch der Incel-Szene. Eine Frau versinkt in einer selbstzerstörerischen…
Eva Menasse. Alleinruhelage - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Eva Menasse: Alleinruhelage
Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen.…
Heinz Strunk. Memories of Heidelberg - Roman. Rowohlt Verlag, Hamburg, 2026.Heinz Strunk: Memories of Heidelberg
Heidelberg im Frühling! Bertram und Isolde, ein in die Jahre gekommenes Paar aus Oldenburg, möchten sich in der romantischen Kurpfalz mal einen richtig schönen Kurzurlaub…
Miriam Carbe. Unerwünschte Töchter - Roman. Carl Hanser Verlag, München, 2026.Miriam Carbe: Unerwünschte Töchter
Die Familie eines deutschen Jahrhunderts: Margarethe, Marianne, Monika, Miriam. Vier Generationen. Sie lieben sich, sie tun sich weh, sie kämpfen um ihre Unabhängigkeit.…