Reinhard Liess

Im Spiegel der Meninas

Velazquez über sich und Rubens
Cover: Im Spiegel der Meninas
Vandenhoeck und Ruprecht Verlag, Göttingen 2004
ISBN 9783899711011
Kartoniert, 118 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Das Gemälde "Las Meninas" oder "Die Hoffräulein" im Museo del Prado zu Madrid gilt als das Hauptwerk des Diego Velazquez. Vom Spiegel der "Meninas" ist in einem gegenständlichen und einem übertragenen Sinn die Rede. Zum einen ist der an der Rückwand des Raums aufgehängte Spiegel gemeint, der das Doppelbildnis des spanischen Königs Philipps IV. und seiner Gemahlin Mariana von Österreich reflektiert. Zum anderen stellt das Gemälde als Ganzes einen "Spiegel" dar, der mit dem berühmten Selbstbildnis des Malers ein umfassendes Bild auch seines Künstlertums wiedergibt. Auf den "Meninas" spricht Velazquez über sich selbst, aber auch über sein Verhältnis zu seinem künstlerischen "Konkurrenten" Peter Paul Rubens, dessen Gemälde in Kopienform im Hintergrund des dargestellten Saales zu sehen sind. Wieso aber hat Velazquez sie bis zur Unkenntlichkeit verdunkelt? Die Analyse der "Meninas" führt zur Kritik bisheriger Interpretationen und zu einem neuen Verständnis der Malerei des Velazquez insgesamt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.06.2005

Dieses Buch zu Velazquez' berühmtesten Gemälde "Meninas" sei der "große Wurf", der hundert Jahre nach Carl Justis Standardwerk eigentlich nicht mehr zu erwarten war, beginnt der Rezensent in entsprechend hohem Ton. Reinhard Liess habe tatsächlich aus dem legendären kleinen Spiegel, der im Hintergrund des Gemäldes zu sehen ist, eine neue Deutung herausgelesen. Die bisherigen naturalistischen Interpretationen, wonach das Königspaar im Spiegel entweder auf der Leinwand des Malers oder in der Raumachse des Bildbetrachters zu lokalisieren sei, könne Liess widerlegen. Aus einem tieferen Verständnis von Velazquez' Kunst mache der Autor plausibel, dass eine realistische Deutung nicht allein aus geometrischen Gründen auszuschließen sei. Im Spiegel sei vielmehr die "Bildnisvision" des vor dem Spiegel stehenden Malers zu sehen. Gewissermaßen der Imaginationsfunke im Moment des Aufblitzens. Entscheidend für die "aufregenden Einsichten" des Buches sei, so der Rezensent, dass Liess als Rubensspezialist anhand der Bilder, die in der gemalten Gemäldegalerie sonst noch zu erkennen sind, Velasquez' Auseinandersetzung mit dem Kollegen Rubens als zentralen Kontext lesbar macht.

Beliebte Bücher

Elias Hirschl. Schleifen - Roman. Paul Zsolnay Verlag, Wien, 2026.Elias Hirschl: Schleifen
Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In…
Julian Barnes. Abschied(e). Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Julian Barnes: Abschied(e)
Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte…
Dorothee Elmiger. Die Holländerinnen - Roman. Carl Hanser Verlag, München, 2025.Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen
Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter…
Leila Slimani. Trag das Feuer weiter - Roman . Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Leila Slimani: Trag das Feuer weiter
Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…