Joseph Conrad (1857-1924) bereiste die Meere seit seinem 17. Lebensjahr und erwarb später selbst das Kapitänspatent. Er ließ die gewonnenen Eindrücke in seine Romane und Erzählungen einfließen, ungewöhnlich dichte Schilderungen von Menschen in existentiellen Situationen. Mit seinen großen Romanen wie ?Herz der Finsternis?, ?Lord Jim? und ?Nostromo?, die auch immer wieder verfilmt wurden, schrieb sich der gebürtige Pole Conrad in die erste Riege englisch-sprachiger Schriftsteller ein.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 31.10.2000
Die Autorin scheint auf Biografien spezialisiert zu sein: nach Marcel Proust, Virginia Woolf und George Sand ist nun Joseph Conrad dran. Laut Susanne Ostwald ist Wiggershaus` Portrait, das aus reichhaltigen Quellen schöpfen kann, gut recherchiert, schön bebildert und grafisch ansprechend aufgemacht, kurz und gut: man nimmt das Buch gerne in die Hand und legt es nicht so schnell wieder weg. Ostwald beleuchtet die wesentlichen Stationen dieser interessanten Biografie: der Vater ein polnischer Freiheitskämpfer, die Familie ins englische Exil gezwungen, Kapitänspatent, Seereisen, die berüchtigte Kongofahrt, die ein lebenslanges Trauma hinterließ. Anerkennung erfuhr die "pessimistische Prosa und scharfe Kolonialmuskritik" Conrads, so Ostwald, im patriotischen England zunächst kaum. Conrads Existenz als Schriftsteller sei von ständiger Geldnot und Selbstzweifeln geprägt gewesen; erst in seinen letzten Lebensjahren habe Conrad einen gewissen Ruhm erlangt, der ihm dann aber ebensowenig behagte.
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