Als die Rote Armee 1939 in der kleinen ostpolnischen Stadt Wlodzimirz-Wolinski eintraf, war der junge Jude Janusz Bardach begeistert - waren die Sowjets doch gekommen, so meinte er, um gegen die Deutschen zu kämpfen. Nicht im Traum hätte er geglaubt, was dann kam: Der deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt und die Deportationen polnischer Juden sowie aller "Kapitalisten", denen er selbst nur durch einen Zufall entging. Als er 1940 zur Roten Armee eingezogen wurde, war seine anfängliche Begeisterung bereits einer Skepsis gewichen, die sich schnell aufs Grausamste bewahrheiten sollte. Bereits ein Jahr später wurde Bardach wegen Verdachts auf Spionage zum Tode verurteilt - und wieder war es ein Zufall, der die Umwandlung in 10 Jahre Gulag erwirkte. Von einem Lager ins nächste gesteckt, landete er schließlich in Kolyma, einem der kältesten und brutalsten Arbeitslager des stalinistischen Systems, dem nur wenige entkamen. Janusz Bardachs Geschichte ist nicht nur das ergreifende Zeugnis seines eigenen Überlebens, sondern erzählt auch vom Überleben der Menschlichkeit unter schier unmenschlichen Bedingungen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.03.2000
Janusz Bardach steuerte als 21jähriger polnischer Freiwilliger der Roten Armee einen Panzer so tief in den Schlamm, dass er nicht mehr herauszuholen war - das reichte für den Gulag, und zwar das berüchtigte Lager in Kolyma, Ostsibirien. Ergriffen schreibt Christa Gebhardt über Bardachs Bericht aus dieser Hölle der Goldminen, der Temperaturen um minus 50 Grad und der Folter, der er 1953 durch viel Glück entkam. Sie schildert die Nüchternheit seines Berichts und seine Überlebensstrategien: immer nur an den nächsten Tag denken und nicht selber zum "Wolf" der Mitgefangenen werden. "Packend" werde diese Autobiografie durch ihre "vitale Erzählweise" und durch die Weigerung des Autors, der später Schönheitschirurg in Iowa wurde, Urteile über andere zu fällen.
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