Die neunundzwanzigjährige Anna sucht ihren verschollenen Großvater, dessen Geschichte wie ein Schatten über dem Leben ihrer Familie liegt: Er ist im August 1961 aus der DDR geflohen und wenige Wochen später spurlos verschwunden. Während ihrer Recherchen lernt Anna Constantin kennen, Manager eines Internet-Unternehmens und zwanzig Jahre älter als sie. Zwischen den beiden entwickelt sich eine leidenschaftliche Liebesbeziehung, die eine jähe Wende erfährt, als Constantin Anna vor eine furchtbare Wahl stellt. Plötzlich zeigt sich die Geschichte des Großvaters in Annas Leben, erzählt sich in ihrer Gegenwart fort: eine Geschichte von Heimat und Flucht, Liebe und Verrat und von der Wahl, vor die einen die Freiheit stellt: Soll man gehen oder bleiben?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.11.2014
Nicht recht warm wird Rezensentin Swantje Karich mit Ricarda Junges Roman. Die Geschichte einer Familienlüge, die noch in die Ritzen des Alltags der übernächsten Generation kriecht, bietet laut Karich zwar jede Menge Gegenwartskolorit und sämtliche Themen der jüngsten deutschen Vergangenheit, von der DDR-Flucht bis zur SMS-Lovestory, so richtig zu zünden scheint ihr der Text aber nicht. Zu blass bleibt die Hauptfigur, erdrückt geradezu, so erklärt Karich ihre Enttäuschung, von der politischen Thematik. Andersherum scheint der Rezensentin das Politische durch das autobiografisch gefärbte Persönliche im Buch nicht zu gewinnen. Sprachlich reißt sie der Text auch nicht vom Hocker: präzise zwar, doch ohne Brüche, Höhen oder Tiefen.
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