Aus dem Englischen von Marc-Oliver Frisch. Tony Chu ist ein Gesetzeshüter mit vielen Talenten, eines davon reichlich absonderlich: Tony Chu ist ein ein Geschmacksknospen-Telepath, auch als Cibopath bekannt. Will heißen, was immer sich auch in den Mund des Beamten Chu verirrt, sei es ein drei Tage altes Käsebrötchen, ein Royal TS oder Blut von einem Mordtatort, löst bei dem Crime-Gourmet eine geistige Vision aus, die ihm alles über seine Speise verrät - der Teig, aus dem seine Backwaren geknetet wurden, das Schlachthaus, in dem das Getier für seinen Burger sein Ende fand, und ... die letzten Stunden im Leben des Mordopfers. Diese Fähigkeit hat aus Tony einen strikten Vegetarier und einen bissigen Polizeiermittler gemacht, der sich seine Fälle auf der Zunge zergehen lässt. Es ist eine dreckige Welt da draußen, und ein cibopathischer Detektiv muss im Dienst von Recht und Ordnung viele Geschmacklosigkeiten erdulden und viele widerliche Sachen in den Mund nehmen...
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.11.2014
Die Charaktere, Zeichnungen und Witze in John Laymans und Rob Guillorys Comic "Chew" wirken zuweilen derart grell, dass man meinen könnte, es mit einer Parodie von Marvel und DC zu tun zu haben, berichtet Christoph Haas, stellte sich nicht mit der Zeit heraus, dass Layman in der durchaus komplexen Geschichte auch ein politisch relevantes Thema verarbeitet, so der Rezensent. Der Protagonist Tony Chu hat die Gabe, durch einen Bissen einer beliebigen Speise - wobei dazu im Zweifelsfall auch Menschen gehören können -, die ganze Lebensgeschichte des Gegenstands vor sich zu sehen, erklärt Haas. In so grotesken wie makabren Episoden erinnern uns Texter und Zeichner dann an die diversen Lebensmittelskandale der vergangenen Jahre, fasst der Rezensent zusammen, der den Sammelband mit den ersten vierzig (von geplanten sechzig) Comics dringend empfiehlt.
Freudig begrüßt Rezensent Waldemar Kesler den ersten auf Deutsch vorliegenden Band von John Laymans und Rob Guillorys Comicserie "Chew", die bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde. Im Mittelpunkt des Bands sieht er den "Geschmackstelepathen" Tony Chu, der nach einer Hähnchengrippe-Epidemie mit 23 Millionen Toten in den USA im Dienste der amerikanischen Lebensmittelaufsicht gegen die Verbrechen der Hühnermafia kämpft. Chus besonderes Talent, ein Gaumen, der ihm Visionen von der Herkunft des Essens beschert, sorgt bei Keslers für eine Menge Spaß, gerade weil es manchmal ziemlich eklig und unappetitlich zugeht. Doch nicht nur Laymans witzige Story findet er herrlich. Begeistert haben ihn auch Guillorys Zeichnungen, die sich durch ihren spielerischern, "karikaturhaft verformenden" Stil auszeichnen.
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