Als Gerat 23 wird, beginnt er sich zu verwandeln. Seine Sprache verwandelt sich, sein Körper verwandelt sich, seine Wahrnehmung verwandelt sich. Er übt das Starren und das Schmelzen, entdeckt das Nichts und bezweifelt die Endlichkeit. Gerat verknotet sich und lernt sich zu entknoten. Er tanzt mit einer Schnecke, steckt sich einen abgebrochenen Finger ins Auge, zerschneidet einen Bären, gräbt sich ein tiefes Loch, singt fremde Lieder, bricht in Klassenzimmer ein, lässt ein Auge enthaupten, verwandelt einen See in weiße Asche, gebiert einen Apfel, kämpft gegen Dreiecke, zähmt einen Kreis, verschafft sich illegalen Zutritt zu Bibliotheken, unterhält sich mit Vögeln und versucht einen Millionen Jahre alten Krieg zu beenden, indem er eine Zeichnung in einem dunklen Raum anfertigt. Gerat kämpft, um nicht wahnsinnig zu werden, und der Wahnsinn kämpft, um nicht Gerat zu werden.
Kitsch, eine brutale Anstrengung für den Leser oder eine faszinierende Studie darüber, was abgeht, wenn jemand den Verstand verliert? Für Thomas Winkler ist das Romandebüt von Robert Gwisdek alles zusammen. Der autobiografische "Bildschlamm" nämlich gebiert laut Rezensent neben arg bedeutungsschwangeren Passagen und Momenten, in denen der Witz und die Ironie fast verlorengehen und der Text in wechselnden Sprachformen nur noch seelische Qualen transportiert, immer wieder auch Erhellendes zum Thema Wahn.
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