Zwischen Libanon und Tirol: Aus einer Reportage über die Graffitiszene in Beirut wird eine Reise in die dunkle Vergangenheit der eigenen Familie. Größer könnte der Kontrast nicht sein: Gerade noch in Beirut, kehrt der Mann, der hier erzählt, in das Bergdorf in Tirol zurück, aus dem er stammt. Die Wintersaison ist vorbei, alles ist wie ausgestorben, in Ruhe will er an seiner Reportage über die Kunstszene im Libanon arbeiten. Doch Rami, ein Sprayer, den er auf seiner Reise getroffen hat, ruft in ihm Erinnerungen wach, die bis in seine Kindheit zurückreichen: an Lenz, einen einarmigen Maler aus Berlin, der 1944 in das Dorf kam, um zu bleiben. Damals stellte er keine Fragen, jetzt will er es genauer wissen: Und er erfährt von einem Lager für Zwangsarbeiter im Dorf, einem Versteck von Deserteuren in den Bergen und den Verstrickungen seines Großvaters Ludwig, einem der Lagerwärter. Hat Ludwig etwas mit dem Verschwinden eines ukrainischen Gefangenen zu tun, der mit der Schwester seines besten Freundes ein Verhältnis hatte?
"Kurz, aber sehr komplex" ist dieser Roman von Robert Prosser laut dem Rezensenten Jan Drees. Die Geschichte macht zudem überraschende Parallelen auf, und zwar zwischen der Graffiti-Szene in Beirut und einem Tiroler Bergdorf. Der aus Alpbach stammende Ich-Erzähler reist in den Libanon, um dort zur Sprayer-Szene zu recherchieren, wie wir lesen, die Stadt erlebt er als "Überforderung", aber auch als Ort der Kreativität und "Improvisationskunst". Die prekäre Existenz des Sprayers Rami erinnert den Erzähler an den expressionistischen Maler Hugo Lenz, den es während der Nazi-Zeit nach Alpbach verschlug, wo er ein unsicheres Dasein im "Abseits" führte. Die zweite Hälfte des Romans ist in der Form der historischen Novelle verfasst, erklärt Drees, und rekonstruiert die Ereignisse im Heimatdorf des Erzählers im Jahr 1945. Hier spielt auch der Großvater des Helden eine Rolle, der war nämlich Lagerwärter. Atmosphärisch dicht erzähle Prosser von Deserteuren, die sich in den Bergen verstecken, von einer hochriskanten Liebesaffäre und davon, wie der Krieg auch diesen abgelegenen Teil der Welt in Schrecken versetzt. "Subtil wie nachdrücklich" ist diese Erzählung, die durch ihre Bezüge zur Gegenwart (sie beruht auf eigenen Recherchen des Autors über seinen Heimatort) an Faszination und Komplexität hinzugewinnt, versichert der angetane Kritiker.
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als… Lukas Rietzschel: Sanditz Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,… Elizabeth Strout: Erzähl mir alles Aus dem Englischen von Sabine Roth. Elizabeth Strout kehrt zurück in die Küstenstadt Crosby in Maine - zu ihren Heldinnen Lucy Barton und Olive Kitteridge. Es ist Herbst…