In dem Dorf Peremoha östlich von Kyjiw bündelt sich wie unter einem Brennglas die Gewaltgeschichte der Ukraine im letzten und in diesem Jahrhundert. Nach Holodomor, deutscher Besatzung im Zweiten Weltkrieg, Zerstörung des Dorfes und Deportationen zur Zwangsarbeit nach Deutschland kehrte nun im Februar 2022 die Gewalt zurück. Peremoha musste einen Monat lang russischen Besatzungsterror erleiden.Claudia Sievers berichtet über ein ungewöhnliches Projekt, das eine kleine Gruppe von Deutschen über zwanzig Jahre lang immer wieder in dieses Dorf führte. Sie waren dabei auf Schritt und Tritt von den Traumata der Vergangenheit, dem bitteren postsowjetischen Erbe und dem Emanzipationsstreben der Gegenwart begleitet. Sie sammelten Erinnerungen Überlebender, unterstützten die Infrastruktur, organisierten Jugendbegegnungen, luden ehemalige Zwangsarbeiter:innen nach Deutschland ein. Es ist eine Geschichte von hochfliegenden Plänen und kleinen Erfolgen, von tiefer werdendem Verständnis und wachsender Zuneigung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 15.11.2025
"Mikrogeschichten in Großaufnahmen" liest Kritiker Christian Thomas in dem Buch von Claudia Sievers, die als frühere Geschäftsführerin der Martin-Niemöller-Stiftung seit Jahrzehnten in die Ukraine reist und über das Dorf Peremoha schreibt. Peremoha hat alle Kipppunkte der ukrainischen Geschichte miterlebt, vom Holodomor, von der Vertreibung, der Zwangsarbeit in Deutschland bis hin zu Putins Überfall, erfahren wir. Sievers schreibt von ihren Reisen, von den Spurensuchen im Dorf, aber auch von den Schattenseiten dieser Arbeit, zum Beispiel von der Korruption, mit der sie es immer wieder zu tun hat, Thomas liest viele Zeitzeugendokumente zu dem erlittenen Unrecht. Ein wichtiges Buch, das auch den "ukrainischen Optimismus" nicht außer Acht lässt, wie er schließt.
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