Roberto Zapperi

Freud und Mussolini

Psychoanalyse, Kirche, Faschismus
Cover: Freud und Mussolini
Berenberg Verlag, Berlin 2016
ISBN 9783946334095
Gebunden, 152 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Ingeborg Walter. Warum nur ließ Sigmund Freud 1933 Benito Mussolini ein Buch mit einer freundlichen Widmung zukommen? Hatte er nicht genau hingeschaut? Und hat sie ihm irgendetwas genützt? Roberto Zapperi, prominenter Ideenhistoriker, hat genau hingeschaut und eine Geschichte gefunden, die mitten hineinführt in das Europa zur Zeit des Faschismus und das antisemitisch unterlegte Moralkorsett von Kirche und Vatikan offenlegt. Den Kirchenmännern galt die Psychoanalyse als Teufelszeug, und so versuchten sie, die italienischen Behörden vor den Karren einer schmutzigen Kampagne zu spannen: gegen Freud und vorwiegend jüdischen Apostel. Am Ende musste der greise Freud das apostolische Österreich in Richtung London verlassen. Welche erstaunliche Melange an Personen aber sich vorher in dieser Sache beim Duce in Rom die Tür in die Hand gab, das lohnt wahrhaftig die Lektüre dieser Fallstudie.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 15.10.2016

Alan Posener kann mit Peter-André Alts gut 1000-seitiger Freud-Biografie nichts anfangen. Umständlich findet er sie, hagiografisch gar. Kritik an Freud, dessen gröbste Sünden - vor allem gegen Frauen - Posener kurz skizziert, käme Alt gar nicht in den Sinn, aber das, scheint Posener zu denken, kann man von einem Germanisten, der womöglich noch unter dem Einfluss Lacans stehe, nicht erwarten. Informativer fand Posener da schon nur 160 Seiten langen Band Roberto Zapperis zu Freud und Mussolini. Freud hatte dem Duce über Dritte ein Buch mit einer Widmung überreichen lassen, die in dem Diktator einen "Kultur-Heros" erkennt. Für Posener ist das ein Ausweis für Freuds Erkenntnis, dass Mussolini kein Hitler war, sondern vielleicht der einzige, der Hitler aufhalten könne. Ob er diese Erkenntnis aus dem Buch Zapperis hat, teilt er uns nicht mit.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.09.2016

Andreas Mayer kann nicht feststellen, dass Roberto Zapperis Buch irgendeine neue Erkenntnis zu Freuds Adresse an Mussolini beiträgt. Mehr als eine Floskel, um die Eitelkeit des Duce zu pinseln, wird Freuds Widmung kaum gewesen sein, konstatiert er. Damit schließt sich der Autor bekannten Interpretationen an, meint Mayer. Dass es dem Autor darüber hinaus um die Bezüge zwischen Katholizismus, Faschismus und Psychoanalyse geht, kann Mayer angesichts der wenig überzeugenden Argumente kaum glauben. Allzu konventionell scheinen Mayer die Muster der Geschichtsschreibung, mit denen der Autor hantiert, allzu wenig, meint er, weiß Zapperi über Freud, die Psychoanalyse und ihre Rezeption in Italien.

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