Der Begriff "polnischer Westgedanke" (polska my?l zachodnia) hat sich in der polnischen Forschung erst nach 1945 durchgesetzt. Gekennzeichnet wird damit eine politisch-ideologische Strömung, die auf eine territoriale Westexpansion Polens fixiert war. Die Vertreter dieser Strömung stützten sich dabei zum einen auf eine spezifische Sichtweise der polnischen Vergangenheit, in deren Zentrum der Rekurs auf die territoriale Gestalt des mittelalterlichen polnischen Piastenreiches mit Grenzen ungefähr an Oder und Lausitzer Neiße stand, zum anderen auf eine kompromisslos feindselige Haltung gegenüber dem deutschen Nachbarn in der Gegenwart. Das ideologische Fundament des Westgedankens wurde bereits lange vor 1918 gelegt, also unter den Bedingungen der Staatenlosigkeit.
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