Aus dem Spanischen von Andreas Löhrer. 1915 hatte Hans Leip die Verse verfasst. 1938 schrieb der Komponist Norbert Schultze eine Melodie dazu, wie übrigens auch zu "Bomben auf Engeland" und "Panzer rollen in Afrika vor". Er war mit Lale Andersen bekannt. Es entstand eine Platte, die zum Misserfolg wurde. 1941 fiel sie in die Hände von Richard Kistenmacher, der in Belgrad einen Soldatensender betrieb, dessen Aufgabe es war, möglichst patriotische Grüße von Verwandten an Soldaten zu verlesen und dazwischen heitere Musik zu spielen. Er legte das Lied auf. Sein Vorgesetzter verbot es ihm. Der Sender wurde mit Protestbriefen überschüttet. Von da an kam das Lied jeden Tag um 21.55 Uhr, und die Soldaten versammelten sich vor dem Radio und dachten an zu Hause. Die britischen Soldaten, die den Sender hören konnten, taten es auch. Spätestens 1943, als Marlene Dietrich mit der englischen Version auf Tour ging, wurde das Lied "the biggest hit of World War II". Und in Abwandlungen zum Kampflied gegen Hitler.
Ein Rührstück. Dass Lale Andersons Schlager "Lili Marleen" von allen Soldaten im Zweiten Weltkrieg gehört und gesungen wurde, bewegt den Rezensenten Eberhard Straub. Allerdings hat er in Rosa Sala Rosa Buch über das Lied erfahren, dass sie unterschiedliche Versionen bevorzugten: Die Deutschen den todtraurigen Schluss, die Alliierten den hoffnungsvollen. Auch dass es nur solange ein Nazilied war, bis Marlene Dietrich damit auf Front-Tournee ging, lernt Straub in diesem Buch, und dass die Musik in den Radios der Achsenmächte offenbar besser war als bei der BBC. Sehr spannend findet der Rezensent diese Sozialgeschichte. Kaum vorstellbar, dass mit seiner erschöpfenden Nacherzählung nicht schon alles über das Lied gesagt ist.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.06.2010
Für wissbegierige Schlagerfreunde hat Rezensent Manfred Schwarz eine "verdammt gute Geschichte" entdeckt: In "Lili Marleen" erzählt die spanische Autorin Rosa Sala Rose die von "Mysterien und Mystifikationen überwucherte" Chronik des Weltkriegshits, der bewirkte, dass zumindest für die drei Minuten vor den Zehn-Uhr-Nachrichten das Schießen an den Fronten eingestellt wurde und die süße, melancholische von Lale Andersen gesungene Melodie deutsche sowie englische Truppen in ihren Bann zog. Kenntnisreich werden Entstehung, Verbreitung und Rezeption des Liedes, welches heute zum klassischen Repertoire von Schwulenbars gehört, ebenso beleuchtet wie das persönliche Schicksal der beteiligten Protagonisten. Dafür, dass sich der Leser selbst von der Magie des Liedes überzeugen könne, sorge die beiliegende CD, die neben zahlreichen anderen Versionen auch die Original-Version von 1939 enthalte, freut sich der Rezensent. Worin diese Magie letztendlich aber bestehe, konnte die Autorin wohl leider auch nicht beantworten.
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