Was Marlene Dietrich so außergewöhnlich machte, zeigt sich erst, wenn sie in ihrer Zeit gesehen wird. Sie zog Hosen an, als Frauen dafür auf offener Straße Prügel ernteten. Sie holte ihr Kind nach Hollywood, als Muttersein das Aus für einen erotischen Filmstar bedeutete. Sie widerstand den Lockrufen Hitlers, als viele ihrer Kollegen umfielen. Und sie begann in einem Alter eine zweite Bühnenkarriere, in dem andere für immer abtraten. Eva Gesine Baur hat sich auf die Fährte einer Persönlichkeit begeben, die sich systematisch dem Zugriff entzog und immer noch Rätsel aufgibt: Wie konnte eine Frau, deren Liebhaber Erich Maria Remarque, Gary Cooper, Jean Gabin, John F. Kennedy und Yul Brynner hießen, sich als nicht schön bezeichnen? Warum zweifelte sie an ihren schauspielerischen Fähigkeiten? Wie kam es, dass diese umschwärmte Diva ein Leben lang über Einsamkeit klagte? Und was war der Grund dafür, dass der Mensch, den Marlene Dietrich am meisten liebte, ihre Liebe nicht zu erwidern imstande war - das einzige Kind?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.05.2017
Dietmar Dath drückt in seiner kurzen Kritik sein Bedauern aus, dass jemand vom Format der Dietrich in Deutschland noch immer mit der Lupe zu suchen ist. Den Hauptteil seiner Besprechung widmet er dann Erwägungen über das Androgyne und einem gemeinsamen Filmauftritt Dietrichs und David Bowies. Mit Interesse nimmt er sich die Biografie der studierten Psychologin Eva Gesine Baur vor und findet manches über Dietrichs Einsamkeit und Mehrdeutigkeit, ihre Beziehung zu Deutschland, zu ihrem Kind. Dass sie sich am Ende ihr Geheimnis nicht entlocken lässt, versteht sich für Dath von selbst. Bleibt die Erkenntnis, dass diese "große Deutsche" wohl noch für lange einzig bleiben wird.
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