Geschichte, zumal die der Kriege, wird meist als Geschichte der Männer erzählt. Die Helden sind die Soldaten und die Toten, die Väter und Brüder, die Widerstandskämpfer und Politiker. Wer aber fragt die Frauen nach ihrer Kriegs-Geschichte? Die Historikerin Rosemarie Killius hat es getan und 27 Frauen nach ihrem Erleben des Zweiten Weltkriegs befragt. Prominente wie Margarethe Mitscherlich, Gisela May, Leonie Ossowski, Rosemarie Reichwein, Swetlana Alexijewitsch, Ursula von Schlabrendorff, Marianne Meyer-Kramer, geb. Goerdeler, Tisa von Schulenburg und Unbekannte eröffnen ungewöhnliche Einblicke. Zu Wort kommen die russische Scharfschützin, das jüdische Resistance-Mitglied, die deutsche Widerstandskämpferin u. a.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.02.2001
"Erinnerungsliteratur par excellence" hat der Rezensent da gelesen. "Faszinierend und bewegend zugleich", schreibt Günther Friess, ist, was die Autorin für uns zusammengetragen hat - "eine spannungsreiche Dimension von `Oral History`" aus 26 Porträts von Frauen unterschiedlicher sozialer und nationaler Herkunft. Zentrale Bereiche subjektiver Verarbeitung von Geschichte rückten ins Blickfeld: Ängste, Schuldgefühle und Traumata. Doch damit nicht genug. Friess anerkennt den weitreichenden Blick des Buches auch auf die Probleme nach 1945 sowie auf Frauen "am Rande des Krieges": Bilder der Vergangenheit und Einstellungen der Gegenwart, so Friess, ergeben zusammen erst das Amalgam von Zeitbewusstsein.
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