Übersetzt von Elisa Barth. Der Band versammelt zwei Aufsätze von Rosi Braidotti, die sich mit einem zentralen Konzept ihrer Nomadischen Philosophie beschäftigen: der Nachhaltigkeit. Die hier entworfene Ethik beruht auf einer Subjekttheorie, die insbesondere von den Arbeiten Gilles Deleuzes und Félix Guattaris geprägt ist. So arbeitet Braidotti im ersten Essay die politische Bedeutung einer Subjektauffassung heraus, die das Subjekt als weder autonom noch selbstgenügsam begreift, sondern als relational und danach strebend, die eigenen Lebenskräfte zu bejahen - auch in scheinbar negativen Situationen wie Schmerz, Sucht oder Selbstmord. Im zweiten, stärker literaturwissenschaftlichen Essay wird diese Relationalität anhand der Beziehung zwischen Virginia Woolf und Vita Sackville-West verdeutlicht, die sich in Aspekten der professionellen Zusammenarbeit, kreativen Praxis, intellektuellen Freundschaft und lesbischen Liebe manifestierte.
Die Philosophin und Feministin Rosi Braidotti hat Rezensent Philipp Rhensius mit ihrem Buch "eine Lektion in Demut und Selbstermächtigung" erteilt: Zwar fand er den Text äußerst abstrakt, aber er hat daraus gelernt, dass man sich selbst als Resultat einer Kreuzung von äußeren Einflüssen und inneren Impulsen, die nach außen dringen, verstehen solle. Wer sich so begreift, kann laut Braidotti aufhören, sich selbst zu bemitleiden und sich als Zentrum des Universums zu sehen, und stattdessen anfangen, sein eigenes Schaffenspotenzial zu entdecken, fasst der Rezensent zusammen. Rhensius findet, dass eine solche antiindividualistische Perspektive in der heutigen Zeit der Narzissten überall gepredigt werden sollte.
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