Sie waren kommunistischer als die Sowjetunion und kamen ohne Geld und Privatbesitz aus: Die utopischen Kommunen in den USA des 19. Jahrhunderts. Wirtschaftlich waren diese utopischen Kommunen sehr erfolgreich. Das machte sie auch für den Journalisten Charles Nordhoff interessant, der sie 1874 auf einer Reise quer durch den amerikanischen Kontinent in Augenschein nahm. 2014 folgte Rudolf Stumberger seinen Spuren. In seinem Reisebericht, der zugleich eine soziologisch-historische Analyse ist, erzählt der Autor die Geschichte von acht Kommunen. In Zeiten des herrschenden Neoliberalismus wirken diese Schilderungen eines Lebens jenseits von Existenzangst und individueller Konkurrenz wie eine Kontrastfolie aus einer anderen Welt. Doch der Autor steht nicht für die Verklärung dieser Kommunen, sondern verortet sie in ihren historischen und ideologischen Bezügen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.01.2016
Thorsten Gräbe lernt von Rudolf Stumberger, welch lange Geschichte der Kommunismus in den USA hat. Acht utopische Lebensgemeinschaften des 19. Jahrhunderts stellt ihm der Soziologe vor, von den Perfektionisten in Oneida bis zu den Hutterern in North Harlem. Gräbe erfährt über erfolgreiche kapitalistische Beziehungen durch Konservenverkauf und über interne Spannungen. Wie der Autor seine geschichtliche Darstellung mit einer Reisereportage zu den Relikten der alten Kommunen verbindet, hat dem Rezensenten gut gefallen.
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