Aus dem Amerikanischen von Kathrin Bielfeldt und Jürgen Bürger. Oleg Gordijewskis Weg in den sowjetischen Geheimdienst war ihm als Sohn zweier KGB-Agenten in die Wiege gelegt. Da er Deutsch konnte, brachte ihn eine seiner ersten Anstellungen nach Berlin, wo er den Bau der Mauer hautnah mitbekam - es sollte sich als eines von vielen Ereignissen erweisen, die seinen Glauben an den Kommunismus zerrütteten. Ganz brach er mit ihm aber erst 1968, als sowjetische Truppen in Prag einmarschierten, und bot sich dem britischen MI6 als Doppelagent an. Schnell wurde er zur wichtigsten Informationsquelle für den Geheimdienst ihrer Majestät. Seine Identität wurde nicht nur vor den Sowjets geheim gehalten, auch die engsten Verbündeten tappten im Dunkeln. Etwas, was die CIA nicht auf sich sitzen lassen konnte: Sie beauftragte einen ihrer Offiziere mit der Identifizierung des Mannes. Der Offizier hieß Aldrich Ames und sollte noch zu zweifelhaftem Ruhm als sowjetischer Spion gelangen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.03.2024
Als Lehrbuch für Doppelagenten-Werber liest Rezensent Helmut Müller-Enbergs das Buch des Times-Journalisten Ben Macintyre über den Spion Oleg Gordijewski. Dass Gordijewski während des Kalten Krieges möglicherweise den Dritten Weltkrieg verhindern konnte, macht seine Geschichte umso spannender, findet der Rezensent. Und Macintyre kann erzählen! Er macht das in einer für den Rezensenten bewundernswerten Mischung aus unabhängigem, faktenbasiertem Journalismus und gelassener Erzählung. Entstanden ist ein Sachbuch über die Nuancen des Spionageberufs, das einem den Atem nimmt, versichert Müller-Enbergs.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 08.12.2023
Rezensent Arno Orzessek ist überzeugt: Diesem Spionage-Roman kann niemand widerstehen. Ja, selbst, wer bisher kein Interesse an derlei Geschichten hatte, wird "Der Spion und der Verräter" nicht aus der Hand legen können. Denn: Ben Mayintyre wird hier nicht nur allen Erwartungen an einen erstklassigen Erzähler gerecht, sondern erfüllt auch sämtliche Ansprüche, die man an einen Historiker stellen kann: Die Gründlichkeit der Recherche, die nötige Übersicht, sowie eine angemessene Detailverliebtheit. Und das ist auch nötig, wenn die Geschichte um einen Doppelagenten im Kalten Krieg, eigentlich zwei Doppelagenten, ist keine durchgedrehte Fiktion, wie man hin und wieder glauben mag, sondern absolut real. Oleg Gordijewski und auch seinen Verfolger Aldrich Ames hat es tatsächlich gegeben, Macintyre hat selbst mit dem ehemaligen KGB-Agenten gesprochen. In diesem hervorragenden Non-Fiction-Thriller erzählt er Gordijewskis Geschichte auf respektvolle Weise und so spannend... spannender geht's nicht, glaubt der begeisterte Rezensent.
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