Aus dem Hebräischen von Vera Loos und Naomi Nir-Bleimling. 1939, Worms. Der zwölfjährige Erwin und der vierjährige Alex müssen Hals über Kopf ohne die Eltern fliehen. Am Bahnhof vertrauen sie sich einer fremden Frau an, die in den Zug nach Frankreich steigt. So kommen sie unbehelligt über die Grenze bis nach Straßburg, wo sie bei Tante und Onkel vor den Nazis sicher sind. Zunächst. Erwin lernt notdürftig Französisch und geht in die Schule; aber Alex steht von der Flucht noch unter Schock und spricht kaum noch. Doch auch in Frankreich wird den Juden das Leben zunehmend schwer gemacht, und als die Eltern aus Worms nachkommen, muss die Familie sich ein neues Versteck suchen. Eine Reise quer durch Frankreich beginnt, auf der Erwin und Alex nicht nur ihre Eltern verlieren, sondern getrennte Wege gehen müssen ...
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 29.01.2003
Das Schreiben über den Holocaust, meint die Rezensentin Gerda Wurzenberger, hat sich gewandelt. Was lange Zeit als "empörend" gegolten habe, nämlich einen nicht-autobiografischen, historischen Roman über diese Zeit zu schreiben, werde jetzt denkbar, gerade in der Kinder- und Jugendliteratur. Den Grund sieht die Rezensentin darin, dass ein Großteil der Autoren den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust nur vermittelt kennen gelernt hätten, und die jungen Leser schon durch zwei Generationen von den Ereignissen getrennt seien. In einer Doppelbesprechung widmet sich die Rezensentin zwei Kinder- und Jugendromanen, die sich mit dem Thema Holocaust beschäftigen. Ruth Almog habe sich auf die Seite des recherchierten historischen Romans geschlagen und erzähle die Geschichte von zwei deutsch-jüdischen Kindern, die von ihren Eltern nach Frankreich geschickt werden, um dort vor den Nazis zu fliehen. Die "konsequente Innensicht" bleibe dem Leser erspart, was auch die furchtbaren Ereignisse aus einer gewissen Entfernung geschehen lasse. Die Erzählung bleibe eher oberflächlich und lege keine "psychologischen Abgründe" frei. Für die "plötzlichen Unzuverlässigkeiten" der Erwachsenen werden gewisse Erklärungen gegeben, schreibt Wurzenberger, so dass sich die Autorin sowohl an das Genre des historischen Romans als auch an das oft postulierte "Schonprinzip" der Kinder- und Jugendliteratur halte.
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