Aus dem Japanischen von Jürgen Berndt. Mit der Veröffentlichung des Sammelbandes "Rashomon" im Jahre 1970 setzte Ryunosuke Akutagawa sich als Schriftsteller durch. Bis zu seinem Freitod 1927 verfaßte er neben Essays und Lyrik etwa 150 Kurzgeschichten, Erzählungen und Novellen, mit denen er die japanische Literatur nachhaltig beeinflusst hat. Die besten sind in diesem Band versammelt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.03.2002
Bei "Rashomon" jetzt mal nicht gleich an den Film von Kurosawa denken. Was Ludger Lütkehaus an Akutagawa, dem Autor der literarischen Vorlage, schätzt, ist nämlich das genaue Gegenteil dessen, wofür der Regisseur bekannt ist: Statt Kurosawas langen Atem zu haben, erklärt uns Lütkehaus, sei Akutagawa "ein Meister der Kürze wie nach ihm wohl nur noch Yasunari Kawabata". Vor allem aber ist der Mann ein Zweifler vor dem Herrn. Und das findet Lütkehaus nun erst recht sympathisch: "Die nationale Tradition zersetzt er mit Skepsis. Wahrheit und Moral werden mit einem fast schon postmodern anmutenden Polyperspektivismus relativiert, ohne dass sie deshalb schon gänzlich tote Götter wären." Fein. Bzw. "irritierend" und "faszinierend", wie der Rezensent schreibt, der dem Zweifel bis in die Struktur der ein oder andren im Band enthaltenen Erzählung nachspürt, vor offenen Enden staunend steht und zu bedenken gibt, dass Wahrheit nicht zu haben sei, Wahrhaftigkeit darüber aber sehr wohl. In diesem Buch zum Beispiel.
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