Aus dem Japanischen von Ralph Degen. Die Ehefrau des Literaturprofessors Miwa Shunsuke hat ein kurzes Verhältnis mit einem jungen Amerikaner, wenig später erkrankt sie unheilbar. Ihr Mann müht sich, die Familie zusammenzuhalten, aber unbeholfen verirrt er sich im Labyrinth der eigenen Fluchten. Meisterhaft, mit subtilem Humor und rückhaltloser Selbstentblößung schildert dieser Roman die Reaktionen der japanischen Gesellschaft auf die Einflüsse aus dem westlichen Ausland.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.06.2009
Diesen in der Tradition bekenntnishafter Ich-Romane stehenden Text von Kojima Nobuo, ein Klassiker der japanischen Nachkriegsliteratur, wie Steffen Gnam weiß, schildert den Verfall einer Familie vor dem Hintergrund der Befreiungsbestrebungen der japanischen Gesellschaft, ihrer Öffnung in Richtung Westen und des gleichzeitigen Verlustes eigener "Traditionsbestände". Die Beschränkung der Erzählung auf die häusliche Sphäre einer Familie und ihrer nächsten Umgebung stört Gnam nicht. Die allgemeine Degenerierung wird für ihn immer wieder sichtbar, so wenn Nobuo den verständnislosen Umgang des seiner Macht verlustig gehenden Patriarchen mit importierten Konsumgütern beschreibt. Die gebrochene Erzählstruktur und der Verzicht auf einen allwissenden Erzähler verstärken für Gnam die Auslegung der Geschichte als eine Parabel auf Verwestlichung und Identitätsverlust.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…