Aus dem Japanischen von Ralph Degen. Die Ehefrau des Literaturprofessors Miwa Shunsuke hat ein kurzes Verhältnis mit einem jungen Amerikaner, wenig später erkrankt sie unheilbar. Ihr Mann müht sich, die Familie zusammenzuhalten, aber unbeholfen verirrt er sich im Labyrinth der eigenen Fluchten. Meisterhaft, mit subtilem Humor und rückhaltloser Selbstentblößung schildert dieser Roman die Reaktionen der japanischen Gesellschaft auf die Einflüsse aus dem westlichen Ausland.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.06.2009
Diesen in der Tradition bekenntnishafter Ich-Romane stehenden Text von Kojima Nobuo, ein Klassiker der japanischen Nachkriegsliteratur, wie Steffen Gnam weiß, schildert den Verfall einer Familie vor dem Hintergrund der Befreiungsbestrebungen der japanischen Gesellschaft, ihrer Öffnung in Richtung Westen und des gleichzeitigen Verlustes eigener "Traditionsbestände". Die Beschränkung der Erzählung auf die häusliche Sphäre einer Familie und ihrer nächsten Umgebung stört Gnam nicht. Die allgemeine Degenerierung wird für ihn immer wieder sichtbar, so wenn Nobuo den verständnislosen Umgang des seiner Macht verlustig gehenden Patriarchen mit importierten Konsumgütern beschreibt. Die gebrochene Erzählstruktur und der Verzicht auf einen allwissenden Erzähler verstärken für Gnam die Auslegung der Geschichte als eine Parabel auf Verwestlichung und Identitätsverlust.
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