Aus dem Französischen von Eleonore Delair, Bettine Runge und Christa Trautner. Für Sabine Dardenne wurde grausame Wirklichkeit, was andere nur aus dem Kino kennen. Als sie am 28. Mai 1996 auf dem Weg zur Schule entführt wird, ist ihre Kindheit mit einem Schlag zerstört. Der Mann, der ihr das antut, ist für die Polizei kein Unbekannter: Marc Dutroux war bereits einschlägig verurteilt und wegen "guter Führung" vorzeitig entlassen worden. Als man ihm endlich auf die Spur kommt, macht die "Affäre Dutroux" europaweit Schlagzeilen - doch über dem Skandal droht in Vergessenheit zu geraten, welches Schicksal Sabine Dardenne und die anderen Opfer von Dutroux erlitten haben.
Susanne Mayer kann "viele Gründe" ausmachen, warum man Sabine Dardennes Buch über ihre Entführung durch Marc Dutroux unbedingt "zur Kenntnis nehmen" sollte. Vor allem wird das Verbrechen der Pädophilie in diesem Band "jenseits des Medienspektakels" noch einmal real, hier gelte es, den Schrecken des Kindes "auszuhalten". Dabei seien die Erinnerungen Dardennes bei aller Wirklichkeitsnähe "nichts für Voyeure", man erfahre nur, wie ein Kind sich fühlt, wenn ein Fremder ihm seine Sexualität zumutet. Insgesamt eine "beeindruckende Charakterstudie", in der die Rezensentin zu ihrer eigenen Überraschung noch Spuren der Ironie findet, ihrer Einschätzung nach einer der Gründe dafür, warum Dardenne das Martyrium überhauopt überstanden hat. Die damals Zwölfjährige hat mit Konjugierübungen und Lageeinschätzungen für ihr "mentales Überleben" gesorgt. Als Parallellektüre empfiehlt Mayer Jan Philipp Reetsmas Bericht "Im Keller", in dem dieser seine eigene Verfassung während der Entführung durch Thomas Drach untersucht.
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