Salim Alafenisch

Die Feuerprobe

Cover: Die Feuerprobe
Unionsverlag, München 2007
ISBN 9783293003774
Gebunden, 144 Seiten, 14,90 EUR

Klappentext

Salim Alafenischs Stamm in der Negev-Wüste wird von einer Nachbarsippe des Mordes verdächtigt. Als alle Vermittlungsbemühungen scheitern, willigt der Vater, der Scheich des Stammes, in die radikalste Wahrheitsprobe ein, die das uralte Recht der Beduinen kennt: die Feuerprobe. Wenn sein ältester Sohn die Feuerprobe besteht, gilt der Stamm als unschuldig. Wenn er sie nicht besteht, müssen vier Männer zur Sühne sterben. Nun beginnt ein Drama, das sich über viele Jahre hinzieht. Kriege ziehen ins Land, das alte Leben der Beduinen wird umgewälzt. Doch zuletzt finden sich alle wieder in der Hütte eines Feuerproberichters in Ägypten. Nach altem, magischen Ritual führt er mit einer rot glühenden Pfanne den Wahrheitsbeweis, das Gottesurteil, durch. Das Geheimnis der Feuerprobe wird Salim Alafenisch nicht mehr loslassen. Er reist zurück zum Feuerproberichter und erforscht dieses Ritual, das bis zum heutigen Tag unter der Oberfläche der Moderne weiterlebt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.12.2007

Gefesselt berichtet Rezensentin Angela Schader von Salim Alafenischs autobiografischer Erzählung, in der dieser nach vierzig Jahren einen Vorfall in seiner Beduinensippe im Negev und dessen Folgen schildert: 1966 wird das Mitglied eines benachbarten Stammes umgebracht, der Alafenisch-Stamm wird beschuldigt und zur "Feuerprobe" verurteilt: Dabei wird die Zunge eines Stammes-Zugehörigen "über einen zur Rotglut erhitzten eisernen Gegenstand geführt. Bleibt sie unversehrt, ist die Klage hinfällig". Salim Alafenisch arbeitet den Fall von der divergierenden Berichterstattung der ägyptischen, jordanischen und israelischen Radios aus auf, das politische Umfeld ist spannungsreich und involviert. Welche Rolle Fatah und das israelische und ägyptische Militär in dem Fall spielen, erläutert die Rezensentin nicht genau, weist aber auf die mutmaßliche Beziehung des Ermordeten zum israelischen Geheimdienst hin, von der sie aber, wie sie moniert, nicht aus diesem Buch, sondern einem wissenschaftlichen Aufsatz des Autors erfahren hat. Gefallen hat ihr, wie der Autor dem westlichen Leser nicht nur Ehrkonzept und Feuerprobe, sondern auch westliche Irrationalität vor Augen führt: Einige Mitglieder der Sippe werden in Israel inhaftiert und an einen Lügendetektor angeschlossen.

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