Sahar Khalifa

Die Verheißung

Roman
Cover: Die Verheißung
Unionsverlag, Zürich 2004
ISBN 9783293003361
Gebunden, 251 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Arabischen von Regina Karachouli. Der Vater will aus ihm einen Geschäftsmann machen, der Onkel sieht in ihm einen Künstler, doch Ibrahim will nur eins: Schriftsteller werden. Er flieht aus Jerusalem, wird Lehrer in einem gottverlassenen Dorf und haust mit seinen Träumen in einem ehemaligen Stall. Als er der rätselhaften Mariam begegnet, beginnt unter den argwöhnischen Augen des Dorfes eine unmögliche Liebe. Er ist Muslim, sie Christin. Ihre Brüder wachen aus dem fernen Brasilien mit Sperberaugen über ihren Lebenswandel. Und auch er beginnt sich in den traditionellen Ehrbegriffen zu verstricken. Ihre unter dem christlichen Schleier versteckte Lebenslust verstört ihn. Misstrauen zersetzt ihn, als sie schwanger wird. Der Ausbruch des Krieges 1967 fällt wie ein Blitzschlag in eine ausweglose Situation. Als er nach Jahrzehnten des Exils, inzwischen ein erfolgreicher Geschäftsmann, in die palästinensischen Gebiete zurückkehrt, macht er sich auf die Suche nach der verlorenen Mariam. Aber die Menschen, das Land und die Stadt seines Herzens haben sich zur Unkenntlichkeit verändert.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 23.09.2004

Sahar Khalifas Roman, der die Lebensgeschichte eines palästinensischen Muslimen aus dessen Altersrückblick erzählt, hat die Rezensentin Susanne Mayer nicht überzeugen können. Die titelgebende Verheißung sieht die Rezensentin allerdings nur ganz zu Anfang der Geschichte, in Gestalt einer verbotenen Liebe zwischen dem Ich-Erzähler und einer jungen Christin. Diese Liebe, aus der ein Kind entsteht (das jedoch später verloren geht), scheitere an der Feigheit des Ich-Erzählers, und das, obwohl es zu ihrer Erfüllung laut Rezensentin nur "Charakter und Mut" gebraucht hätte. Und so ist es weniger das von der palästinensischen Schriftstellerin (durchaus kritisch) entworfene, "zu harmlose", "zu ergebene" Frauenbild, das die Rezensentin verärgert, sondern die männliche Erzählerfigur, die in Mayers Augen eine "dürftige Gestalt" abgibt und sich lediglich vom "wankelmütigen und verblendeten jungen Mann zum uneinsichtigen, eitlen Greis" wandelt. Schließlich vermisst die Rezensentin die "intellektuelle Kraft", die es gebraucht hätte, um ein Werk, das den Anspruch erhebt, ein Panorama zu sein, zusammenzuhalten.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.09.2004

Sahar Khalifa hat es sich hart erkämpft, weiß Angela Schader, heute als "eine der profiliertesten Stimmen der palästinensischen Literatur" zu gelten. Als Antriebskraft vermutet Schader unter anderem Bildungshunger und vor allem ein ungeheures Kunstverlangen der Autorin, die ihren Weg als Schriftstellerin gegen den Willen ihrer Familie machte; diese Beschäftigung mit Kunst, Musik und Tanz jenseits der Literatur schlägt sich in diesem Roman Khalifas besonders nieder, stellt Schader angetan fest, denn eins der wichtigsten Themen des Romans handele vom "Bildnismachen und seinen Gefahren". Im Mittelpunkt des Geschehens steht ein junges Liebespaar unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlicher Religion; ihre Amour fou geht nicht gut aus, sie endet mit ungewollter Schwangerschaft und feiger Flucht, resümiert die Rezensentin. Erst im Nachhinein werden sich die Protagonisten gewahr, dass ihre Beziehung von gegenseitigen Projektionen und Wunschbildern geprägt war, analysiert die Rezensentin. Doch unter der einen tristen Liebesgeschichte mit ihren menschlich schwächelnden Charakteren schlummert zart eine zweite, freut sich Schader, die nämlich von der Liebe zu Jerusalem, seinen Bewohnern und seiner Umgebung erzähle, die dem Roman auf sehr poetische und behutsame Weise eingeschrieben sei.
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