Gaza
Überlebensberichte aus einem zerstörten Land

Unionsverlag, Zürich 2026
ISBN
9783293006430
Gebunden, 272 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Aus dem Arabischen von Larissa Bender und Leonie Nückell. "Was haben Sie am 7. Oktober 2023 gemacht?" Diese Frage stellte die Autorin und Journalistin Samar Yazbek in Katar Hunderten von Geflüchteten aus dem Gazastreifen. Während mehrerer Monate im Jahr 2024 erzählen ihr Männer, Frauen und Kinder zwischen 13 und 65, was sie in diesem Krieg erlebt haben. Ihre Geschichten wirken wie Albträume über unvorstellbare Verluste von Leben, Familie, Heimat und elementarer Würde. Die Überlebenden sind entschlossen, ihre Geschichte und die Schicksale ihrer Angehörigen mit der Welt zu teilen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.04.2026
Rezensent René Wildangel, selbst Historiker mit Schwerpunkt im Nahen und Mittleren Osten, ist ziemlich erschüttert von den Berichten, die die Journalistin Samar Yazbek zusammengetragen hat. Nur wenige Reporter können derzeit überhaupt in den Gazastreifen vordringen, erinnert WIldangel, Yazbek hat deshalb in einem Krankenhaus in Doha grausame Berichte von Überlebenden aufgezeichnet, der Verlust vieler Angehöriger, die körperlichen Verletzungen, die Angst, haben sie tief gezeichnet. Eine Mutter erzählt vom Verlust zweier Kinder, deren Beerdigungen muss sie über das Handy verfolgen, ein Arzt berichtet von dem Drama, Schwerstverletzte ohne ausreichende Ressourcen behandeln zu müssen, lesen wir. Juristisch überprüfen lassen sich auch die Berichte von Kriegsverbrechen nicht, sie sind aber von vielen Menschenrechtsorganisationen dokumentiert, so Wildangel. Er ist dem Unionsverlag dankbar, dass er diesen Zeugnissen von Gewalt, aber auch vom Mut der Opfer, eine Bühne bietet.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 18.04.2026
Rezensentin Alexandra Senfft warnt vor: eine kaum erträgliche Lektüre biete Samar Yazbeks Buch mit Augenzeugenberichten von Überlebenden aus Gaza. Die gebürtige Syrerin und Exilautorin, die 2011 selbst mit ihrer Tochter von Damaskus nach Paris floh, versammelt dabei Berichte von Palästinenser:innen zwischen 13 und 65 Jahren und bildet dabei einen "Querschnitt der Gesellschaft" ab, der überwiegend jung ausfällt, so Senfft. Das Leid, von dem auch Kinder und Jugendliche berichten, sei unermesslich und schier "unbegreiflich": Leichenberge und Fleischmassen, horrende Zustände in den Krankenhäusern, Ärzte, die ein abgetrenntes Bein als "leichte Verletzung" einstufen müssen, KI-gesteuerte Drohnen, die Kinder ins Visier nehmen. Trotzdem seien die Berichte "erstaunlich nüchtern" und frei von politischer Propaganda oder Larmoyanz, betont Senfft. Auch, wie in sich wiederholenden Details Muster der israelischen Kriegsführung erkennbar werden, hebt sie hervor. Im Vordergrund steht aber das Erleben der Betroffenen, wie die Kritikerin Yazbek betont.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 03.02.2026
Mitreißend findet Rezensentin Stephanie von Oppen die hierin versammelten Zeitzeugenberichte von Überlebenden des Gaza-Krieges. Die syrische Journalistin und Autorin verbrachte fast vier Monate in einem Rehabilitationszentrum in Katar und befragte Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus unterschiedlichsten Lebenszusammenhängen, lässt uns die Kritikerin wissen. Alle berichten von den zahlreichen schweren Verletzungen und unvorstellbaren Verlusten, die der Konflikt verursacht, die Lebensträume, die er zerstört habe. Da die Autorin in ihrem Bestreben, so genau wie möglich die subjektiven Erfahrungen der interviewten Personen zu dokumentieren, auf politische Fragen verzichtete, klafft die Abwesenheit der Hamas als verwirrende Leerstelle im Text, bemerkt von Oppen. Doch dafür strahlt aus jedem der Berichte eine "ungläubige Verzweiflung", getragen von den Erinnerungen an vergangene gute Zeiten, die die Rezensentin letztendlich als Zeichen der Hoffnung begreift - geäußert von Stimmen, die es verdienen, gehört zu werden.