Salvador Plascencia

Menschen aus Papier

Roman
Cover: Menschen aus Papier
Edition Nautilus, Hamburg 2009
ISBN 9783894015879
Gebunden, 256 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen übersetzt von Conny Lösch. In seinem Romandebüt erzählt Salvador Plascencia von Federico de la Fe, der mit seiner Tochter Little Merced aus Mexiko, nach El Monte, USA, auswandert, nachdem seine Frau ihn verlassen hat. Dort beginnt er mit Hilfe einer Gang von tätowierten Nelkenpflückern und den seherischen Fähigkeiten von Baby Nostradamus einen Krieg gegen den allwissenden Saturn und eine Suche nach einem Heilmittel gegen Traurigkeit. Mechanische Schildkröten, desillusionierte Heilige, die eine Scheinidentität als Wrestler führen, eine Frau aus Papier und Rita Hayworth sind nur einige der Figuren, deren Schicksale in dieser Geschichte von Krieg und verlorener Liebe miteinander verbunden sind. Zwischen Bandenkriegen und Papierschnitten ist dies auch ein Buch über die Wunden, die die erste Liebe und scharfe Gegenstände hinterlassen. Jede Figur erzählt aus ihrer Perspektive, die verschiedenen Stimmen quellen im Buch über die Seiten, überlagern sich und löschen einander aus, selbst die Schnitte ins Papier finden sich im tatsächlichen Buch wieder!

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.06.2010

Kaum ist er diesem figuren-, handlungsstränge- und referenzstrotzenden Ausbund an Fabulierkunst entronnen, will Florian Borchmeyer schon Neues lesen vom Autor. Salvador Plascencias irrlichternde Migrantengeschichte hält er aber erst einmal für eine Riesenüberraschung. Dafür stehen laut Rezensent die Marquez-Anklänge ebenso wie Plascencias rhizomatisches Schreiben, vor allem aber des Autors Wut, solche Anspielungen immer sogleich wieder selbst aufzulösen. Prallen in diesem Roman latein- und angloamerikanische Erzähltraditionen beständig aufeinander, wie Borchmeyer erklärt, und spiegelt sich darin das Migrantenschicksal des Autors wider, so erkennt und schätzt der Rezensent auch die poetologische Komponente im Text: Den Kampf des Autors mit seinen Geschöpfen und um seinen Text.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 11.07.2009

Menschen aus Papier - also Literatur. Literatur, die davon spricht, dass die Menschen, die in ihr vorkommen, papierene Menschen sind: Auch das. Aber, keine Angst, versichert die Rezensentin Kirsten Riesselmann, die von diesem Roman hin und weg ist: Es handelt sich hier keinesfalls um selbstverliebt-postmoderne "Metafiktion". Vielmehr gelinge es dem Autor, die Tatsache zum sprachlich mitreißenden Drama zu machen, dass er aus der Welt um sich herum Menschen klaut und dann aber als Autor auch alle Hände voll zu tun hat, sie im Buch selbst in Schach zu halten als Ausgeburt seiner Erzählung. Heraus kommt ein offenbar wildes Buch, in dem die Stimmen und Texte über die Seite schlingern und wuchern. Für Riesselmann aber war dieser in jeder Hinsicht "irre" Roman eine grandiose Leseerfahrung.

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