Zerbrechen wir an dem Wissen, das wir uns gewünscht haben?
Sandra Schulz ist in der 13. Woche schwanger, als sie nach einer Blutuntersuchung einen gefürchteten Satz hört: "Ich habe leider kein komplett unauffälliges Ergebnis für Sie", sagt ihr die Ärztin. "Ein Schicksalsschlag", sagt ihre Familie. Sandra Schulz denkt: Redet nicht so über mein Kind! Sie kämpft um ihre ungeborene Tochter, doch heimlich nennt sie das Wunschkind, das plötzlich keines mehr ist, eine "halbe Sache" und fragt sich, ob sie ein behindertes Kind lieben können wird.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 22.08.2017
Die Journalistin Sandra Schulz hat in ihrem Buch "Das Kind hat so viele Fehler" darüber geschrieben, was es bedeutet, ein Kind mit Down-Syndrom zu bekommen. Petra Pluwatsch hat sie zu einem Gespräch getroffen und mit ihr über die Entstehung dieses Buches gesprochen, aber vor allem über das Leben mit einem behinderten Kind. Schulz Buch basiert auf Tagebucheinträgen, die sie in den schwierigsten Zeiten ihrer Schwangerschaft geschrieben hat, als sie mit sich rang, ob sie ihre Tochter abtreiben soll oder nicht. Sie hat sich schließlich dagegen entschieden, es bleiben mitunter "Sätze voller Bitterkeit", in denen sie sich von einem Leben mit einem Kind ohne Behinderung verabschiedet, schreibt Petra Pluwatsch berührt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.08.2017
"Das ganze Kind hat so viele Fehler" war nur einer der vielen Sätze, die Autorin Sandra Schulz während ihrer Schwangerschaft hören musste, "das ist Schrott" ein anderer, berichtet Rezensentin Melanie Mühl. Down-Syndrom, Herzfehler, Wasserkopf lauten die Diagnosen, doch absolute Gewissheit kann keiner der Ärzte der Spiegel-Redakteurin trotz Pränataldiagnostik garantieren, erfährt die Kritikerin. Vor allem aber liest sie das schonungslose Protokoll eines Leidensweges, in dem Schulz nicht nur von eigenen Glücksvorstellungen, Zweifeln und Tabus berichtet, sondern auch über Reaktionen von Ärzten, Bekannten, Freunden und Familienmitgliedern und die Erwartungen der Optimierungsgesellschaft reflektiert. Dass die Autorin dabei nie moralisch urteilt, rechnet ihr die Kritikerin hoch an. Marja ist heute zwei Jahre alt und ein fröhliches und normales Kind mit Down-Syndrom, weiß Mühl.
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