Übung in Gehorsam
Roman

Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2025
ISBN
9783803133762
Kartoniert, 208 Seiten, 22,00
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Beatrice Faßbender. Eine junge Frau kündigt ihren Job in einer Anwaltskanzlei und zieht zu ihrem Bruder, der von Frau und Kindern verlassen wurde. In dem abgelegenen Dorf in einem nördlichen Land lebten schon die Vorfahren der Familie, es ist ihnen dort nicht gut ergangen. Als jüngstes von zahlreichen Geschwistern scheint es der jungen Frau nichts auszumachen, sich als Haushälterin des Bruders aufzuopfern. Doch nach einer Reise erkrankt er unter ihrer hingebungsvollen Pflege an einer mysteriösen Krankheit. Von den Dorfbewohnern, deren Sprache sie nicht spricht, wird sie argwöhnisch betrachtet. Rätselhafte, beunruhigende Ereignisse häufen sich: Die Kartoffelernte verfault, eine Sau zerquetscht ihre Ferkel. Ein Gefühl wachsender Bedrohung stellt sich ein. Wer kontrolliert hier wen? Wer wird zur Rechenschaft gezogen? Und wofür?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.10.2025
Der Antisemitismus war nie weg und gerade ist er mal wieder besonders stark, so Kritiker Kai Sina, und Sarah Bernstein erzählt in ihrem neuen Roman davon: Die namenlose Protagonistin zieht zu ihrem Bruder aufs Land, um ihn zu pflegen. Wo das besagte Dorf liegt, ist nicht klar, "irgendwo im Norden" heißt es, aber dem Kritiker stehen die "Bloodlands" vor Augen, "jene Landschaften zwischen Ostsee und Schwarzem Meer", wo so viele dem Nazi- und Stalin-Terror zum Opfer fielen. Sie versucht, sich in die Dorfgemeinschaft zu integrieren, erfährt aber nur Ablehnung und Schuldzuweisungen, die Handlung kulminiert in einer Demütigungsszene, bei der ein totes Schwein in der Kirche liegt, schildert Sina. Ihn fasziniert, wie Bernstein die doppelte Verwicklung und Wirkung des Antisemitismus bei Opfern und Tätern zeigt und wie sie ein intellektuelles Netzwerk zwischen Ingeborg Bachmann, Franz Kafka und Trinh Thi Minh Hà spannt. Ein verstörendes und überzeugendes Buch, wie er resümiert.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 04.07.2025
Rezensent Carsten Hueck erklärt, dass Sarah Bernstein zwar auf Orts- und Zeitangaben verzichtet, der Leser aber dennoch schnell in diesen Roman über Fremdheit und Anpassung, Angst und Vorurteile hineingezogen wird. Das liegt laut Hueck an der subtilen Erzählweise und dem eindringlichen Ton, mit dem Bernstein den Erzählraum eröffnet. Die latente Bedrohung und Ablehnung, der sich die jüdische Protagonistin bei ihrem Versuch, an einem fremden Ort Fuß zu fassen, ausgesetzt sieht, wird für Hueck auf beklemmende Weise spürbar.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 25.06.2025
Rezensent Carsten Hueck erliegt schnell dem Bann dieses Romans der Kanadierin Sarah Bernstein, die ihm von einer jungen Frau erzählt, die nach einer Kündigung zu ihrem Bruder in die Provinz zieht. Sie kümmert sich um dessen Haus und Hund, wird von der Dorfgemeinschaft aber ausgegrenzt. Es ist vor allem der Erzählton, der den Kritiker beeindruckt: Gleichermaßen scharfsinnig und zurückhaltend hält die Erzählerin in einem Monolog alle Beobachtungen und Ablehnung fest, die vielen schweigenden Figuren gelingen ihr "plastisch", staunt Hueck. Die Subtilität, mit der Bernstein eine "toxische" Atmosphäre erzeugt, beeindruckt den Kritiker.