Sascha Anderson

So taucht Sprache ins Sprechen ein, um zu vergessen

Cover: So taucht Sprache ins Sprechen ein, um zu vergessen
Weissbooks, Frankfurt am Main 2019
ISBN 9783863371760
Gebunden, 75 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Zehn Jahre nach Erscheinen seiner letzten Veröffentlichung legt Sascha Anderson "etwa die Hälfte dessen, was noch in der sogenannten Schublade liegt", vor. Dreißig Gedichte in sieben Kapiteln, begleitet von eingewürfelten Vignetten von Alissa Walser. Martin Lüdke, ein Kenner seiner Art zu schreiben, um zu leben, sagt: Andersons Bücher werden in aller Regel, allesamt, auf eine, sicher, zentrale Episode seiner Biographie bezogen. Denn für ihn gilt, was Adorno konstatiert hat: Es gibt kein richtiges Leben im Falschen. Oder doch? In, zum Beispiel, dem Zyklus Heldenbergen, fünf, teils ins Erzählende gleitende Gedichte, die uns die Sicht auf eine Idylle eröffnen, die nie eine werden kann, steht: "Wenn ich mir eine Frage stelle, werde ich eins mit dem anderen. Wenn ich sie beantworte, teile ich sie auf Nimmerwiedersehen", und [er] sucht dabei "Ablass von allem, was mit / Mehrheit zu tun hat." Sascha Anderson ist eine exemplarische Gestalt der jüngeren deutschen Geschichte. Seine Gedichte dokumentieren diesen Sachverhalt und übersteigen ihn zugleich: poetisch.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.05.2019

Es ist unmöglich, Sascha Andersons Gedichte zu lesen und zu rezensieren, ohne auf seine Rolle als Stasi-Informant gegen seine Dichterfreunde um Wolf Biermann zu sprechen zu kommen, meint Tobias Lehmkuhl, zumal Anderson selbst zwar seinen Betrug nie explizit anspricht, zugleich aber thematisch stark in der Zeit der späten achtziger und frühen neunziger Jahre gefangen scheint. Andere Referenzen als der Epochen- und Lebensbruch der Wendejahre sind Heiner Müller, der auch sprachlich omnipräsent durchklingt, sowie die römische und griechische Antike, fasst der Rezensent zusammen, den das alles nicht wirklich überzeugen kann: "So sperrig wie überladen, zudem raunend und bedeutungshuberisch" erscheint ihm Andersons schmaler Gedichtband.

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