Aus dem Niederländischen von Andreas Ecke. Mordechai de Paauw blickt, 97-jährig, auf sein Leben zurück: desillusioniert, überheblich, hilflos. Ende eines Titans. Als er in den dreißiger Jahren auf die Idee kam, Testosteron aus Wurstzipfeln zu gewinnen, war das genial. Als die aus der Idee hervorgegangene pharmazeutische Fabrik begann, das Produkt an ahnungslosen Fabrikarbeiterinnen zu testen, wurde es monströs. De Paauw besaß kaum Schulbildung, war jedoch schon als sehr junger Mann Direktor der Familienfirma, Hollands größter Fleischfabrik. Tatkräftig und kühn, aber durchdrungen von unbedingtem Erfolgswillen instrumentalisierte er jeden, der ihm und seinen Plänen von Nutzen sein konnte den wehrlosen Bruder, den aus Nazi-Deutschland emigrierten Wissenschaftler Rafael Levine, in dem unschwer Ernst Laqueur zu erkennen ist, und alle, deren Existenz von der Firma abhing.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.09.2014
Lea Beiermann ist mehr als enttäuscht von Saskia Goldschmidts Roman. Den Lebensrückblick des Glücksritters Mordechai de Paauw entwirft die Autorin zum Leidwesen der Rezensentin nämlich nicht szenisch als komplexes Familienepos, sondern eindimensional als Verlaufsprotokoll. Was geschieht, ist für Beiermann vohersehbar, das Personal erscheint ihr wie Schachbrettfiguren, und was an Themen der Zeit (Dreißiger Jahre) hätte interessant sein können, umschifft die Autorin laut Beiermann für ein bisschen "viriles Papperlapapp".
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