Sayaka Murata

Das Seidenraupenzimmer

Roman
Cover: Das Seidenraupenzimmer
Aufbau Verlag, Berlin 2020
ISBN 9783351037932
Gebunden, 256 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe. Der neue Roman von Japans Erfolgsautorin Sayaka Murata erzählt die Geschichte zweier Außenseiter, Natsuki und ihr Cousin Yu, die sich jung verlieben und gemeinsam gegen eine Welt verbünden, die ihnen beileibe nicht nur Gutes will. Im alten Farmhaus der Familie, in dem früher die Seidenraupen ihren Dienst verrichteten, sind sie glücklich, denn sie sind beieinander. 20 Jahre später geht Natsuki an diesen Ort zurück ...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.08.2020

Rezensent Martin Oehlen bestaunt die Radikalität in Sayaka Muratas Roman über eine Fünftklässlerin aus der fünften Dimension. Atemberaubend erzählt findet er die Rebellinnengeschichte, die für ihn das gewisse Etwas hat: Nicht der Glaube des Mädchens an die eigene Zauberkraft, sondern die knallharte Grundierung mit Missbrauch und Verlorenheit und Widerstand. Dass Murata dabei nicht den "moralischen Zeigefinger" bemüht, gefällt Oehlen gut.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.07.2020

Rezensent Jonas Lages schätzt an Sayaka Muratas neuem Roman wie an seinem Vorgänger "Die Ladenhüterin" vor allem die aufschlussreichen Figurenperspektiven. Auch in diesem Roman ist es wieder eine Außenseiterin mit besonderem Blick auf die Welt, so Lages, die sich, als Kind missbraucht, von der Menschheit isoliert und zum Alien werden will. Durch die Metapher der japanischen Gesellschaft als menschenproduzierende "Fabrik" und die Verweigerung der Protagonistin, Mutter zu werden, lasse sich Murata in eine Reihe junger ostasiatischer Autorinnen einordnen, die über Frauen schreiben, die in "Fundamentalopposition" zu Familie und Gesellschaft treten, erklärt der Rezensent. Formal komplexer und noch düsterer als sein Vorgänger, so Lages, drehe sich der Roman im Kern um "weibliche Selbstbestimmung und die Verästelungen des patriarchalen Gesellschaftssystems", meint der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.06.2020

Rezensent Steffen Gnam vollbringt das Kunststück, Sayaka Muratas neuen Roman in einigen Sätzen zu resümieren: Es geht um die junge Natsuki, die, vom Lehrer missbraucht, von den Eltern vernachlässigt und unter dem Druck der japanischen Leistungsgesellschaft leidend, jeden Sommer ihren Cousin Yu, ein Außenseiter wie sie, auf dem Land besucht und sich mit diesem auf den Planeten Pohapipinpopopia träumt. Nachdem die "inzestuöse Liebe zwischen Außenseiter und Außenirdischem" von der Außenwelt untersagt wird, sucht Natsuki im Netz einen Ehepartner "ohne sexuelle Aktivitäten" und trifft Jahrzehnte später wieder auf Yu, um mit diesem und ihrem Ehemann ein Aussteigerleben, wo sie "extraterrestrische Trainings" durchlaufen, resümiert Gnam. Klingt "gewöhnungsbedürftig", ist es auch, meint der Kritiker, der die Lektüre aber schon der exakten psychischen Ausleuchtung der Schattenseiten Japans wegen empfiehlt.
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