"Was heißt es, Sohn eines berühmten Vaters zu sein?" Dieser Frage widmet sich Hilde Lermann und entwirft gleichzeitig ein Portrait der damaligen Zeit, der Nachklassik, der Jahre nach Napoleon. Ernst, der Sohn Schillers, versucht sich zu orientieren, ein von Ehrgeiz gebeutelter Mensch, der in jungen Jahren aus dem kleinen Herzogtum Weimar hinausgemobbt wird, sein Glück im preußischen Rheinland sucht (er wird Richter und Appellationsrat, heiratet eine reiche ältere Frau, verliebt sich in seine Stieftochter) und sich schließlich im choleraverseuchten Halle einquartiert, um den Tod herauszufordern.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.08.2002
Angelika Overath hat dieses Buch, das dem jüngsten Sohn Schillers gewidmet ist, sehr gefallen. Melancholisch kann man beim Lesen allerdings werden, meint sie. Denn der einleitende Essay der Herausgeberin und die folgende Briefausschnitte von und über Ernst werfen, so Overath, "einen neuen Blick" auf "das sinkende Weimar, den intriganten Sumpf deutscher Kleinstaaterei und die Not der Nachgeborenen". Das Vorgehen der Herausgeberin und Filmemacherin Hilde Lermann beschreibt die Rezensentin als eine Filmaufnahme, die aus psychoanalytischer und historischer Sicht das Leben eines schwachen Mannes beschreibt, der von ehrgeizigen, den Vater vergötternden Frauen dominiert wird. Hört sich wirklich ziemlich deprimierend an, die Geschichte eines Sohnes im Schatten des Vaters.
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