Johann Gottlieb Fichte (1762-1814) ist einer der bedeutendsten deutschen Philosophen gleichrangig neben Kant, Hegel, Marx, und er ist der Vater des deutschen Idealismus, von größtem Einfluß auf das Kultur- und Geistesleben im ausgehenden 18. und 19. Jahrhundert und die deutsche Klassik. Aber dennoch ist der Verfasser der bahnbrechenden "Wissenschaftslehre" und der "Reden an die deutsche Nation" bis heute ein weitgehend Unbekannter. Seiner Mitwelt machte es Fichte nicht leicht: nicht nur durch seine mitunter schroffe Art, die er, aus einfachsten Verhältnissen stammend, als Schutzwall um sich errichtet hatte; auch mit seiner neuartigen Ich-Philosophie, die kaum einer seiner Zeitgenossen verstand. Seine Parteinahme für die Französische Revolution und seine unbestechliche Haltung im sogenannten "Atheismusstreit" kosteten ihn seinen Lehrstuhl in Jena. Dank neuer Forschungen ist es nun möglich, in einer seit langem überfälligen großen, umfassenden Biografie Fichte als den zu zeigen, der er war: ein hochbegabter, kompromisslos loyaler, verletzlicher Mensch, dessen Leidenschaft das Denken war, seit ihn die Begegnung mit der Philosophie Kants zu sich selbst gebracht hatte.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 19.05.2012
Rezensent Uwe Justus Wenzel gefällt diese gut zu lesende Fichte-Biographie von Wilhelm G. Jacobs, die deutlich schlanker ist als Manfred Kühns voluminöses Werk über Fichte. Er schätzt den Autor als einen Kenner des deutschen Idealismus. Dabei fällt dessen Beschreibung von Fichtes Leben und der Entwicklung seines Denkens in seinen Augen keineswegs unkritisch aus. Doch im Unterschied zu Kühns Fichte-Biografie verzichtet Jacobs auf Rechthaberei, so Wenzel, der das als wohltuend empfindet.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.05.2012
Angetan zeigt sich Rezensent Jens Bisky von Wilhelm G. Jacobs' Fichte-Biografie. Vor allem weil es der Autor versteht, dem Leser die intellektuelle Entwicklung des Philosophen verständlich zu machen, ohne ihn mit zu viel Ich und Nicht-Ich in Verwirrung zu stürzen. Wie Jacobs die originellen Fragen und Antworten Fichtes nahe bringt, gefällt Bisky außerordentlich gut. Man beginne zu ahnen, "was Zeitgenossen an Fichte bewunderten". Allerdings vermisst Bisky bei Jacobs eine historisch "scharfe" Einordnung der Stellung Fichtes. Nichtsdestoweniger kann er die Lektüre des Buchs nur empfehlen.
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